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Die Küche am Hof der Sultane
Die Bedeutung, die die osmanischen Sultane der Kochkunst
beigemessen hatten, fällt jedem Besucher des Topkapi Palastes in
Istanbul beim Anblick der von zehn Kuppeln überdachten riesigen
Palastküche sofort auf.
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Im 17. Jh. waren allein in der Palastküche etwa
1300 Personen beschäftigt. Hunderte von Köchen, darunter Spezialisten eigens
für Suppen, „Pilav“ (Reis), „Kebab“, Gemüse, Fisch, Brot, Gebäck, Süßigkeiten,
„Helva“ und Sirup, Marmeladen und Getränke, versorgten nicht weniger als
zehntausend Personen pro Tag und schickten darüber hinaus noch für die Menschen
Tabletts mit Speisen in die Stadt als Zeichen der Gunstbezeugung des
Herrschers.
Der Stellenwert der Küche kam auch in der Struktur der osmanischen
Militärelite, der Janitscharen, zum Ausdruck.
Divisionskommandanten wurden als "Herren der Suppe", andere hohe Offiziere
"Chefkoch", "Bäcker", "Pfannkuchenkoch" betitelt. Alles Bezeichnungen, die mit
den eigentlichen Funktionen der Herren herzlich wenig zu tun hatten.
Der gewaltige Reiskessel z.B. für den „Pilav“ war nicht nur für das leibliche
Wohl der Janitscharen von Bedeutung, sondern hatte auch symbolischen Wert.
Immer dann, wenn sie eine Änderung im Kabinett des Sultans anstrebten oder den
Kopf eines Großwesirs forderten, haben sie diese Forderung mit dem Umkippen des
Reiskessels besiegelt.
"Den Kessel umkippen" ist die noch heute
gebräuchliche Redewendung für Aufstand und Meuterei. In diesem Umfeld
entwickelten und perfektionierten die Palastköche, die sich ihrem Beruf mit
Leib und Seele verschrieben hatten, ihre Gerichte, deren Rezepte dann in die
Küchen der Provinzen auf dem Balkan und von da aus nach Südrussland und
Nordafrika gelangten.
Zu jener Zeit genoss Istanbul als Hauptstadt eines Weltreiches höchstes
Prestige und alles, was hier geschah, wurde im ganzen Reich nachgeahmt. In der
Stadt herrschte eine hervorragende Organisation verbunden mit einer ebenso
hervorragenden Infrastruktur, was eine Versorgung mit allen Köstlichkeiten und
Schätzen dieser Erde ermöglichten. Die Provinzen des osmanischen Weltreiches
waren über ein Netz von Handelswegen mit erholsamen Karawansereien für die
erschöpften Händler, Bewacher und Tiere miteinander verbunden.
Die Gewürzstraße, der bedeutendste Faktor in der kulinarischen Geschichte,
stand unter der absoluten Kontrolle des Sultans. Wegen der strengen
Handelsgesetze und -standards durfte nur mit den besten Produkten gehandelt
werden.
In jener Zeit spielten die Gilden eine wichtige Rolle. Jeder Berufsstand war in
einer Gilde zusammengeschlossen. Die Gilden der Jäger, Fischer, Köche,
Kebab-Köche, Bäcker, Fleischer, Käsemacher, Joghurthändler, Feinbäcker,
Gewürzgurkenhersteller und Wursthändler waren für Weiterentwicklung, Qualität,
Preis und Standard der Türkischen Küche von höchster Bedeutung. Jede Gilde
besaß einen Propheten oder Heiligen als Schutzpatron. Die Gilden zeigten ihre
Produkte und Talente zum Beispiel bei den Beschneidungsfestivitäten für
Kronprinzen oder an religiösen Feiertagen bei festlichen Umzügen in den Straßen
Istanbuls.
Dem Beispiel des Palastes folgend, rühmten sich alle großen osmanischen Häuser
ihrer Küchen und wetteiferten um die Ausrichtung der glanzvollsten Gastmähler.
Ganz sicher stand in einem Wohnquartier zumindest ein Haus allen offen, die im
Fastenmonat Ramadan oder aus anderen festlichen Anlässen vorbeikamen. Auf diese
Weise konnte sich die traditionelle Küche ausbreiten und bis in die hinterste
Ecke des Landes dringen.
Textquelle: Ministerium für Tourismus und
Kultur, ergänzt und überarbeitet von Peter Kaiser
Bildmaterial: Ministerium für Tourismus und Kultur oberes Bild und Peter Kaiser,
unteres Bild
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[Impressum]
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