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Die Geschichte und die Geheimnisse der Türkischen Küche

„Sage nie einfach nur Essen! Als gesegnete Mahl ist eine ganze Kultur für sich.“ Abdulhak Sinasi

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Für Liebhaber kulinarischer Streifzüge hat die Türkische Küche viele Überraschungen bereit. Ihre charakteristische Vielfalt zusammen mit der entzückenden Art des Anrichtens und der meistens geradezu festlichen Atmosphäre bei einem gemeinsamen Mahl reicht für lebenslange kulinarische Studien und Genüsse aus. Es dürfte jedoch schwierig sein, bei der Türkischen Küche ein grundlegendes Element oder eine absolute Besonderheit wie zum Beispiel die "Pasta"" der Italienischen oder die "Sauce" der Französischen, hervorzuheben.

Aber sei es die Küche eines bescheidenen Haushalts, eines berühmten Restaurants oder der Villa eines "Bey", ihre Gemeinsamkeiten bleiben immer erkennbar. Die Türkische Küche ist die hohe Kunst, die die Sinne befriedigt und gesellschaftliche, gemeinschaftliche und kulturelle Werte festigt.

 

Ein praktisch veranlagtes Kind, das an einem ruhigen, grauen Wintertag seiner Mutter bei der Zubereitung von "Lahana Dolma" (gefüllte Kohlblätter) zusieht, kann nur staunen: Wer, um Himmelswillen, könnte sich diese befremdliche Kombination von Reis, Pinienkernen, Korinthen, Gewürzen und Kräutern, die in durchscheinende Kohlblätter eingerollt wird, wobei alle Röllchen genau einen halben Zoll dick und auf einem ovalen Servierteller mit Zitronenstückchen angerichtet sind, ausgedacht haben?

Wie ist es möglich, aus einem anspruchslosen Gemüse mit so wenigen Zutaten ein derart köstliches Essen zu schaffen? Der moderne Verstand wird in einem Moment der Besinnung beim Betreten eines ganz normalen türkischen Süßwarenladens bewegt, wo "Baklava" in etwa zwölf Variationen angeboten wird, die so fantastische Namen tragen wie "gewundener Turban", "Sultan", "Serail", "Frauennabel", "Nachtigallennest"... Dieselbe Erfahrung macht auch der Besucher eines "Muhallebi"- Ladens angesichts der zahlreichen, ebenfalls fantasiereich benannten Puddingsorten.

Die glanzvolle Türkische Küche lässt nur die Schlussfolgerung zu, dass ihre Entwicklung kein Zufall gewesen sein kann.

Sie ist, wie andere große Küchen auch, das Ergebnis einer Verschmelzung dreier grundlegender Elemente: einem fördernden Umfeld, mannigfaltiger Nahrungsmittel infolge einer reichen Flora und Fauna sowie regionaler Unterschiede und des Erbes einer königlichen Küche.

Heerscharen von Köchen für die unterschiedlichsten Spezialitäten, die alle danach strebten, dem Gaumen des Herrschers zu schmeicheln, hatten zweifellos enormen Einfluss auf die Vervollkommnung der Küche, die wir sie heute kennen.

Die Palastküchen der osmanischen Herrscher, unterstützt von komplexer sozialer Organisation, pulsierendem städtischen Leben, Arbeitsspezialisierung, Handel und der absoluten Kontrolle der Gewürzstraße reflektierten den Höhepunkt des Wohlstands und die blühende Kultur in der Hauptstadt eines mächtigen Imperiums.

 Auch der Einfluss, den die soziale Beständigkeit ausübte, darf nicht unterschätzt werden. Der türkische Staat in Anatolien ist tausend Jahre alt, und ebenso alt ist selbstverständlich seine Küche. Zeit ist ein entscheidender Faktor. 

Ibn"i Haldun schrieb: "Das Volk nimmt im Laufe der Zeit den Glauben seines Herrn an." Dies gilt auch für die Palastküche. Das 600 Jahre währende Osmanische Reich und sein nahtloser Übergang zur modernen Türkei führten durch Differenzierung, Verfeinerung und Vervollkommnung der Speisen ebenso wie durch ihre Zusammenstellung und Reihenfolge zur Entstehung einer “Grand Cuisine“.

Es ist recht selten, dass alle drei der zuvor genannten Bedingungen erfüllt wurden, wie es bei der Französischen, Chinesischen oder Türkischen Küche der Fall ist. 

Letztere besitzt darüber hinaus eine privilegierte Stellung am Schnittpunkt zwischen dem Fernen Osten und dem Mittelmeer, die die lange Wanderung der Türken von den Steppen Zentralasiens (wo sie sich mit den Chinesen vermischten) nach Europa (wo ihr Einfluss hoch hinauf bis nach Wien reichte) widerspiegelt. All diesen Besonderheiten und der Geschichte hat die Türkische Küche eine Vielzahl Gerichte zu verdanken, die sich in einer nahezu unbegrenzten Vielfalt kombinieren lassen. Dies hat zur Entstehung einer Küche geführt, die für Improvisation durch Verbesserung regionaler Eigenheiten offen ist, aber dabei ihre Wurzeln, wie alle großen Kunstwerke, nie verleugnet. Die Küche repräsentiert darüber hinaus einen wichtigen kulturellen Aspekt. Sie ist Teil des Alltagslebens und reflektiert Spiritualität mittels ihrer eigenen Prägung von Symbolik und Praxis.

Jeder, der die Türkei besucht oder in einem türkischen Haushalt zu Gast ist, wird die Einzigartigkeit dieser Küche ungeachtet des Könnens des jeweiligen Kochs bemerken. Wir möchten mit diesen Texten dazu beitragen, das Sie die Interesse und Kenntnis für türkische Gerichte sowie deren Zubereitung und Bedeutung bekommen.
 

Textquelle: Ministerium für Tourismus und Kultur, ergänzt und überarbeitet von Peter Kaiser
Bildmaterial: Ministerium für Tourismus und Kultur oberes Bild und Peter Kaiser, unteres Bild

 

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