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Das kulinarische Erbe

 "Frühe Schriften belegen, dass die Grundstruktur der Türkischen Küche schon in
der Nomadenzeit und in den frühen Türkenstaaten in Asien vorhanden war.“

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Die kulinarische Einstellung gegenüber Fleisch, Milchprodukten, Gemüse und Getreide, die für diese Periode bezeichnend war, ist auch heute noch untrennbar mit der Türkischen Küche verbunden.

Die Türken kultivierten den Weizen und verwendeten ihn je nach Bedarf für verschiedene Arten von gesäuertem und ungesäuertem Brot, das im Lehmofen, auf dem Backblech oder über offenem Kohlenfeuer gebacken wurde. "Mann" (fleischgefüllte Teigtaschen) und "Bugra" (ein Vorläufer des "Börek" und dem Turkmenenkhan Bugra zugeschrieben), gehörten und gehören zu den beliebtesten Gerichten.

Gefüllte Teigwaren und die Verwendung aller möglichen Gemüsesorten waren und sind gängige Praxis, wie Dutzende verschiedener "Dolma" beweisen. Das Braten von Fleisch am Spieß und andere Arten der Fleischzubereitung, die uns heute als "Kebab"-Varianten bekannt sind, sowie Milchprodukte wie Käse und Joghurt waren auf die Bedürfnisse türkischer Nomadenhirten zugeschnitten und Hauptnahrungsmittel. Im 11. Jahrhundert brachten sie diese Gewohnheiten und Zubereitungsmethoden mit nach Anatolien.

Im Gegenzug lernten sie Reis, Früchte und Gemüsesorten der Region sowie Hunderte verschiedener Fischarten aus den vier Meeren kennen, die die anatolische Halbinsel umgeben und die sie im Laufe der Jahrhunderte mit ihrer eigenen Küche verschmolzen. Anatolien wurde auch „die Kornkammer" genannt.

Noch heute ist die Türkei in Hinblick auf ihre Nahrungsmittelproduktion, die für die gesamte Bevölkerung ausreicht, autark, wie nur auch sechs Länder auf der Erde.

 

Die türkische Landschaft ist geprägt von den Eigenschaften der urweltlichen Kontinente Eurasien und Afrika und übertrifft aus diesem Grunde mit ihren vielen geographischen Zonen, die bei einer Fahrt durch das Land durchschnittlich alle drei Stunden einschließlich Temperatur, sonstiger Wetterbedingen, Höhe, Beschaffenheit, Flora und Fauna wechseln, jedes andere Land im Bereich des 40sten Breitengrades, was sich natürlich in der Türkischen Küche widerspiegelt.

In der östlichen Region trifft man auf zerklüftete, schneebedeckte Berge, wo die Winter lang und kalt sind, und das Hochland, wo der Frühling mit seinen reichen Wildblumen und den reißenden Bächen in einen kurzen und kühlen Sommer übergeht. Die auf Selbstversorgung ausgerichtete Landwirtschaft dominiert. Butter, Joghurt, Käse, Honig, Fleisch und Getreide gehören zu den Grundnahrungsmitteln. Lange Winter übersteht man am besten mit Joghurtsuppe und Fleischbällchen, gewürzt mit Kräutern aus den Bergen, und Strömen von heißem Tee. Das anatolische Kernland besteht aus trockenen Steppen und sanften Hügeln, endlosen Feldern und kargem Felsgestein, das im Sonnenlicht in den unwirklichsten Gold-, Violett- und Grautönen schimmert. Entlang der alten Handelswege liegen ebenso alte Städte inmitten üppiger Obstplantagen und Blumengärten.

Dazu gehört auch Konya, die ehemalige Hauptstadt der Seldschuken im ersten türkischen Staat in Anatolien. Konya war im 13. Jh. Mittelpunkt des Geistes- und Kulturlebens und Treffpunkt von Gelehrten, Mystikern und Dichtern aus aller Welt.

Die verschwenderische Küche mit ihrem in einer Tonschale oder im Erdofen gebratenen "Tandir Kebab“, mit ihren vielen Börek-Variationen, Fleisch-und Gemüsegerichten sowie der Süßspeise "Helva" wurzelt in der Palastküche des Seldschukensultans Alaaddin Keykubad in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im Westen trifft man neben sorgfältig terrassierten und bebauten Berghängen auch auf warme, fruchtbare Täler und die, aus der Vogelperspektive gesehen, einer Häkelspitze gleichenden Ägäisküste mit ihrem sanften Klima und ihrem unbeschwerten Leben, wo sämtliche Arten an Obst und Gemüse gedeihen und die hervorragenden Meeresfrüchte den Kenner entzücken.

Hier steht das köstliche Olivenöl hoch im Kurs, mit dem die unnachahmlichen kalten Gemüsegerichte und Salate verfeinert werden.

In dem milden Klima an der Küste des Schwarzen Meeres liegen, geschützt durch die hohen Berge des Kaukasus, fruchtbare Haselnuss-, Getreide- und Teeplantagen. Die Schwarzmeerfischer identifizieren sich mit dem schimmernden "Hamsi", der schmackhaften Schwarzmeersardine, ihrem "Täglichen Brot". Es gibt mindestens 40 Gerichte, die mit Hamsi zubereitet werden.

Zahlreiche Gedichte, Anekdoten und Volkstänze wurden von diesem köstlichen Fisch inspiriert. Der Südosten der Türkei mit seinem heißen, wüstenähnlichen Klima bietet die größte Vielfalt an Kebabs und süßen Backwaren. Die hiesigen Gerichte sind im Vergleich zu denen anderer Regionen kräftiger gewürzt und gepfeffert, möglicherweise, um in der Hitze ihre Haltbarkeit zu verlängern, oder, wie die Einheimischen sagen, um die Körpertemperatur des Essenden der Außentemperatur anzugleichen!

Das kulinarische Zentrum des Landes ist die Region Marmara mit Westthrazien und natürlich Istanbul.

Diese fruchtbare Region mit ihrem gemäßigten Klima kann sich eines hohen Obst- und Gemüsereichtums sowie überaus raffiniert zubereiteter Lammfleischgerichte rühmen. Der Artenreichtum der Fische im Bosporus auf ihrem Wege in die anderen Meere ist auffallend. Aus Bolu, einer Stadt in den Bergen, kamen die besten Köche in den Palast des Sultans, und noch heute ist Bolu die Hochburg der Kochkunst. Man sagt, dass die besten Köche der Türkei aus Bolu kommen.

Istanbul natürlich war und ist das wahre Zentrum der Türkischen Küche, die man niemals ganz begreifen könnte, ohne etwas von der Küche der Sultane zu wissen.

 

 

Textquelle: Ministerium für Tourismus und Kultur, ergänzt und überarbeitet von Peter Kaiser
Bildmaterial: Ministerium für Tourismus und Kultur und Peter Kaiser, soweit nicht anders erwähnt

 

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