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Hiermit kommen wir zu einer der mich meistgestellten Fragen : Wie kommt man eigentlich dazu, seine Zelte in einem wohlgeordneten Land einfach abzubrechen und in die Ferne zu ziehen ? In dieser Frage schwingt meist ein wenig Fernweh mit, warum man dies nie selbst gewagt hat und ob es für sich selber vielleicht doch noch nicht zu spät dazu ist. Ja, dies ist eine gute Frage, wenn auch nicht perfekt. Die richtige Frage lautet: Wie käme ich eigentlich dazu, mein ganzes Leben in meinem Geburtsland zu verbringen. Mit dieser Gegenfrage blas ich erstmal richtig Luft in die Segel, mit der ich dieses Fernweh bei meinem Gegenüber erstmal richtig anfache. Und dann erzähle ich meist kurz und knapp meine kleine Geschichte, dass mich die Größe dieser Welt mit ungefähr vierzehn Jahren zum ersten Mal zu überreden versuchte.

Nach der Schule entdeckte ich in meinem Regal ein dickes Verzeichnis aller deutschen Ausbildungs- und Studienrichtungen und unter der Vorausgabe 'Welche Ausbildung geht recht schnell und bringt mich am wahrscheinlichsten zu Gestaden, die man immer im Fernsehen bewundert?' entdeckte ich ziemlich schnell den Begriff 'Hotelfach'. Kaum hatte ich das Buch zugeklappt, stand ich auch schon in der Abschluss-Prüfung (in Wirklichkeit schien diese verdammte Ausbildung kein Ende zu nehmen), hatte all meine Freunde (hatte ich jemals welche ?) durch die grandiosen Arbeitszeiten der letzten Jahre verloren und richtete meine Blicke in die Ferne. Das erste Hotel, welches mir auf die Flut meiner Bewerbungen (2 Stück) antwortete, war besagte Anlage in der Türkei. Und da ich wirklich sofort mit Sack und Pack abreisen wollte, also damit rechnete, für lange Zeit (oder eigentlich gar nicht mehr) nach Haus zurückzukehren, lehnte ich den Gratis-Flug des Hotels ab und entschied mich dazu, mit dem Auto zu fahren. Das war dann der Moment, wo ich scheinbar völlig den Verstand verlor, ein Auto oder das dazu notwendige Kapital hatte ich nämlich gar nicht. An dieser Stelle änderte ich beim Erzählen oftmals die Geschichte, da mir viele von jetzt an nicht mehr zu glauben schienen oder die Konversation (Monolog meinerseits) ziemlich schnell abbrachen und das Weite suchten, ich möchte hier jedoch bei der Wahrheit bleiben.

 

Na ja, ein wenig Kleingeld hatte ich schon noch, welches ich dann zum Erwerb des vierzehn Jahre alten Asconas einer Perserin anlegte, welcher nach genauer Kontrolle angeblich noch ziemlich gut in Schuss war (was man dem Wagen äußerlich natürlich nicht ansah, man Stelle sich ein Schiffswrack aus dem ersten Weltkrieg vor). In diesem verstaute ich dann meine wenigen Habseligkeiten, tankte ihn voll und fuhr mit einem fröhlichen 'Dirty old town' auf den Lippen über die Grenze unserer Stadt zum Mittelmeer. Nach zwei Tagen hatte ich mein liebes Auto durch Österreich und über die Alpen gezwungen, wo ich dachte, das Wetter müsse allmählich besser werden (wurde es aber nicht). Das Interesse an Venedig verging mir recht schnell, nachdem mich der dortige Verkehr beinahe in die ewigen Jagdgründe einziehen ließ, beschloss ich, große Ballungszentren großräumig zu umfahren. Irgendwo mitten in Italien hatte ich plötzlich den losgelösten Schaltknüppel in der Hand und schaffte es nach einiger Fummelei sogar, dieses blöde Ding wieder fest zu montieren. Der Rest der Reise ist schnell erzählt. Ich setzte von Ancona nach Griechenland über, wo ich mitten im Gebirge nähere Bekanntschaft mit einem italienischen Lastwagen machte, der eindeutig stärker war als mein Gefährt. Mir wurde bescheinigt, der Wagen wäre hinüber, ich bezahlte Zoll für eingeführten Schrott (pah!) und nachdem ich drei Tage in einem Nest namens Loannina in den griechischen Bergen verbracht hatte (solche Sachen passieren ja immer am Wochenende) zog ich mit meinem Gepäck (jetzt auf etwa siebzig Kilo reduziert) mit Taxen, Fähren und Überlandbussen nach Piräus, Athen, Samos, Kusadasi, Selcuk und schließlich Antalya.

Dort kam ich unrasiert (und fern der Heimat), mit fettigen Haaren und vor Dreck hoch stehenden Fingernägeln an (ich muss mit meinem Gepäck-Berg aus Kartons und Taschen ausgesehen haben wie ein Sperrmüll-Händler), schlief achtzehn Stunden und blieb ein paar Jahre.

Für gewöhnlich fliegt man jedoch mit dem Flugzeug.

Man sieht also, ganz normal bin auch ICH nicht. Auf die Frage, ob ich ein Aussteiger bin, würde ich sagen, dass ich in Deutschland ja noch gar nicht richtig EINgestiegen war, trotzdem kann ich jedem nur empfehlen, sich mindestens einmal im Leben von all dem zu befreien, was nicht unbedingt notwendig ist. Es ist einfacher als man denkt, es tut sehr gut, und es ist nie zu spät.

 


 
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