Araber

Sie waren hier angereist mit einem amerikanischen Luxus-Jeep und einer Stretch-Limousine. Ein grosser Clan aus Saudi-Arabien mit zwei Herren, zwei Frauen und drei oder vier Jungs (Wer da mit wem hab' ich bis zum Ende nicht herausfinden können). Es hieß, der schmächtigere Mann sei Body-Guard oder Chauffeur gewesen, was wahrscheinlich auch nicht stimmte, da er sich eines abends während eines Vollrausches in der Disco beim Tanzen ein Bein zweimal brach und fortan mit einem Gips bis zur Hüfte herumhumpelte. Jeder war interessiert in die Gruppe und jeder versuchte Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Wie z.B. ein junges Pärchen aus Deutschland, die dann vom Araber-Papa in das Spiel-Casino nebenan eingeladen wurden. Angeblich half die Frau ihm dann einen gewissen Betrag zu gewinnen (sie HALF nicht, sie sagte nur zufällig eine richtige Zahl) und wurde gleich mit einem größeren Betrag entlohnt, den sie dann jedoch wieder verspielte. Und irgendwann wurde es dem Pärchen peinlich, dass ihre arabischen Begleiter jeden Abend zehntausend Dollar und mehr verzockten, ohne mit der Wimper zu zucken, so dass sie sich bald auf Distanz hielten.

Nach ein paar Tagen hatte jeder der drei oder vier Jungs im Alter von dreizehn bis einundzwanzig jeweils eine entsprechende Freundin, deutsch und mit blonden Haaren und im entsprechend gleichen Alter. Man hörte das Gerücht, das irgendwann die Eltern der Mädels Einspruch erhoben, welcher dann mit ein paar Gold-Klunkern einfach unterdrückt wurde. Manche würden so was Schmiergeld oder  –gold nennen, als hätten die Eltern ihre Kinder vermietet. Na ja.

Eine schöne Situation entstand an diesem Abend. Der arabische Clan-Papa löste sich von seiner Wasser-Pfeife (wir hatten tatsächlich Wasser-Pfeifen im Hotel) und stolzierte im Unterhemd zur Bar, wo er zwei Flaschen des teuersten Champagners bestellte. Der Barmann hörte schon die Dollars klingen (wir arbeiteten zu jener Zeit im Halb-Pensions-System) und fing an, polierte Sekt-Kühler professionell mit Eis zu füllen, die Flaschen geschickt hineinzudrehen, Stoff-Servietten darumzuwickeln und einen Kellner zu rufen, der dann helfen sollte, das kostbare Gesöff zum Tisch zu transportieren. Papa hatte die ganze Zeit zuschauend daneben gestanden und fragte nun wortlos nickend, ob das Werk jetzt endlich vollendet sei. Anschließend zog er mit einer geschickten Bewegung die Flaschen am Hals aus den Sekt-Kühlern, setzte eine davon an den Mund und wandelte so zurück zu seinem Platz. Bezahlt ist bezahlt.

 

Das erinnert mich an eine arabische Familie in meinem Ausbildungs-Hotel in Deutschland, die angeblich die Dusch-Tasse zur Toilette umwandelte und mitten im Zimmer den Teppich rausriss, um ein Feuer für ein kleines Grill-Essen zu entzünden.

Gerüchten zufolge war ein anderer Gast in selbigem Hotel zur Rezeption gekommen und um Hilfe eines unserer Gepäck-Jungen gefragt, da er ein größeres Paket mit Kongress-Materialien ins Auto zu befördern hätte. Wir gewährten ihm diese Hilfe natürlich, der Karton wurde im Auto verstaut, die Zimmer-Rechnung beglichen und der Herr ward nie mehr gesehen. Als das Housekeeping dann zur Reinigung in das verlassene Zimmer trat, wunderten sich die Damen, wo denn der Fernseher sei...

Wir hatten dabei mitgeholfen, unseren eigenen Fernseher klauen zu lassen.

Unser arabischer Clan fühlte sich jedenfalls nach drei oder vier Wochen auch nicht mehr besonders wohl, da die anderen Gäste inzwischen zu tuscheln begannen und sich nicht nur lustig machten, sondern sogar griesgrämig über die Störenfriede wurden, so dass sie sich am Ende mit ihren Karossen aus dem Staub machten. So mieteten sie sich in einer anderen Anlage ein und streiften noch wochenlang durch die Gegend.

Auf der anderen Seite bin ich natürlich auch ein ziemlicher Idiot, der manchmal einfach nur zuviel palavert. So kam es immer wieder vor, dass ich in meiner Funktion mit Menschen zusammentraf, die eigentlich gar keine Probleme haben konnten, denn sie swingten heiter und gut gelaunt durch die Anlage. Nach ein paar lockeren Dialogen über Bauchtänzerinnen und orientalischen Tee, verabschiedete ich mich dummerweise mit dem Satz 'Und nicht vergessen, falls Ihr Fragen habt oder Hilfe braucht, wendet Euch an mich!'. Den Satz kaum ausgesprochen, fiel mir auch schon mein fataler Fehler auf, denn obwohl ich es natürlich nur gut gemeint hatte, konnte ich meinem Gegenüber sofort ansehen, dass ich gerade die Funktion in seinem Hirn aktiviert hatte, in der alle möglichen Hotel-Fehler registriert waren, aktiviert hatte und ich mir in wenigen Sekunden ein Feuerwerk aus Bitten um Klobürsten und orthopädische Kissen anhören konnte. Weiterhin wurde ich in einem Schwall aus sich wiederholenden Worten darüber aufgeklärt, welche Hotels zwischen Tirol und Madagaskar größere Zimmer, höhere Bäume oder nettere Kellner hatten. Und das, obwohl ich schon dutzende Male vorher bemerkt hatte, dass mein berühmter Abschluss-Satz praktisch eine Aufforderung war, mir noch schnell ein paar Ärgernisse zu präsentieren, was ohne diese Aufforderung wahrscheinlich nicht passiert wäre. Man sagt, dass man vor Gästen nie das Wort Ärgernisse oder gar Probleme benutzen sollte, da nämlich allen der Gedanke daran die Suche danach auslöst und wie sagt der Volksmund :'Wer suchet, der findet'.

Na ja, ich glaub', ich bin zu hilfsbereit und gutmütig. Andere behaupten, ich sei einfach nur blöd. Beim nächsten Mal halte ich besser den Schnabel, echte Probleme werden ihren Weg zu mir schon finden.


 

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