Es war kurz vor sechs nachmittags und ich fragte
mich, warum ich immer noch nicht in meine Nachmittags-Pause aufgebrochen
war, um mich für den Abend vorzubereiten. Als ich gerade meine Brocken
zusammenräumen wollte, stand plötzlich ein belgischer Mensch in der Tür und
schmiss seinen Schatten auf meinen Tisch.'Herr Martine, ische hab' da ein
etwase delikates Probleme...'
'Nämlich ?!', fragte ich.
'Also, die Zimmermädchene haben heute den Abfalle aus unserem Bad
entfernte...'
'Na, das ist ja prima...'
'... allerdingse war da eine Plastiktüte und die iste ebenfalls weg. Und
in der Plastiktüte war meine... nun ja...'
'Was denn ?', fragte ich.
'... meine Gebiss für dreitausende Mark',
Ich musste hart schlucken, um nicht laut lachend loszubrüllen, da ich
dachte, der Herr mache einen Scherz. Als er jedoch nicht auf mein stark
beherrschtes Grinsen reagierte, kam mir die Erkenntnis, dass dies scheinbar
eine ernste Angelegenheit sein musste, was mich noch stärker amüsierte. Er
stellte fest, dass die Plastik-Tüte einst neben dem Mülleimer stand (was
wahrhaftig nicht der richtige Platz für ein dreitausend Mark teures Gebiss
ist, er schämte sich auch etwas für soviel Dummheit).
Nachdem ich mich wieder ein wenig gefasst hatte und die ganze Sache nun
ernsthafter angehen konnte, überlegte ich, was am besten als nächstes zu tun
sei. So rief ich den Leiter des Housekeepings an, der dachte, ich wolle ihn
veralbern. Als auch dieser den Ernst der Lage erkannt hatte, stöhnte und
ächzte er ein paar Mal und sagte, uns bleibe wohl nichts anderes übrig, als
die große Mülltonne zu durchwühlen, welcher natürlich schon geleert war. Er
stöhnte ein paar weitere Male (war wohl nicht sein Tag). Das Hausmädchen
gestand auch gleich, eine Plastiktüte neben dem Mülleimer entsorgt zu haben,
allerdings habe sich darin nichts anderes als Abfall befunden.
'Tja', sagte er, 'dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als die
Müll-Männer zu fragen, an welcher Stelle der Deponie im nächsten Ort sie
unseren Müll abgeladen haben und dorthin ein paar Leute zu schicken, um das
Gebiss zu suchen.'
So riefen wir die Müllentsorgungs-Zentrale an, die uns darüber
informierte, dass unser Müll heute zur großen Deponie in Antalya gekarrt
wurde. Nach ein paar folgenden Ächzern weigerte er sich
(verständlicherweise), sein Personal dorthin abzukommandieren. Also war
dummerweise es nun an mir, eine Lösung zu finden.
Unser Direktor meinte, es gebe keine Beweise dafür, dass in dem
Plastik-Beutel wirklich ein Gebiss war, somit könnten wir auch nichts
zurückerstatten zumal der Belgier auch keinen lupenreinen Eindruck machte.
Es hing also auch die Möglichkeit in der Luft, dass wir es hier mit einem
Betrüger zu tun hatten, der das gesuchte Objekt selber verschwinden ließ
(vielleicht sogar versehentlich), falls es denn je existierte. So wies ich
den Herrn auf die Check-In-Karte hin, auf der geschrieben stand, dass wir
für Wertgegenstände jeglicher Art, die aus dem Zimmer verloren gehen, keine
Haftung übernehmen können.
'Ja, ein Gebiss ist aber kein Wertgegenstand!',sprach er.
'Für Sie IST dies ein ideeller Wertgegenstand!'
'Na und ! Hätte ich mein Gebiss jetzt in den Safe packen sollen oder was
?', fragte er scherzhaft.
'Ja genau !', sprach ich.
'WAAS ?!'
Er tobte noch eine Weile vor sich hin, drohte mit Gericht und Presse, sah
allerdings am Ende ein, dass wir nicht nachzugeben schienen und verschwand
dann frustriert erst aus meinem Büro und dann aus meinem Leben. Jetzt stellt
sich jetzt die Frage, ob er denn Zähne im Mund hatte, als er mit mir
diskutierte. Die Antwort lautet JA, angeblich handelte es sich um ein
Ersatz-Gebiss, vielleicht war es auch der Beweis dafür, dass er nur
versuchte, finanzielle Wiedergutmachungen zu ergaunern.