Eine
Dame, die aussah, als hätte man ihr die Beine falsch eingehängt, trat in
mein Büro, um mir eine Anregung mitzuteilen. Nach einem Regenschauer war sie
wie in einem Stummfilm von 1920 auf den Stufen vor ihrem Zimmer ausgerutscht
und hatte sich glücklicherweise nur eine Schürf-Wunde zugezogen. Sie kam
recht ruhig zu mir und meinte, man müsse unbedingt einen Handlauf anbringen,
da der nasse Marmor wirklich spiegelglatt sei. Ich stimmte ihr zu und musste
zu meiner Schande eingestehen, dass ich einfach noch nicht daran gedacht
hatte. Und so versprach ich ihr, ein Anbringen von Handläufen der
Hotel-Leitung vorzuschlagen.'Ja', sagte sie, 'wenn die europäische
Gemeinschaft ihre Kontrolleure und Kommissare ausschickt und die dann sehen,
dass Handläufe hier nicht vorhanden sind, dann wird's ärgerlich.'
'Das ist ja gut gemeint, aber sie wissen ja, dass die Türkei nichts mit
der europäischen Gemeinschaft zu tun hat (diese Geschichte spielte 1997).
Aus diesem Grunde werden die wohl kaum zu einer Kontrolle zu uns kommen.'
'Jaja, ich mein' ja nur, WENN die mal kommen!'
'Jaja, die werden aber nicht kommen!'
Sie wiederholte 'Ja aber WENN die mal kommen!'
'Die kommen aber nicht!'
'Ja aber wenn!'
Es trat eine kurze Pause ein und ich überlegte, was ich nun entgegnen
sollte. Ich konnte nicht glauben, dass ein Gespräch einen solchen Verlauf
nehmen konnte und als ob es sich um ein Jahrhundert-Experiment handelte,
entglitt mir ein vorsichtiges 'Die kommen aber nicht !'
Es folgte eine Antwort, die scheinbar alle psychologischen
Gesetzmäßigkeiten aus den Angeln heben wollte, und zwar 'Ja ja..., aber wenn
!'
Ich traute meinen Ohren nicht. Ich sah, dass ich einen anderen Weg
einschlagen musste, um dieses Gespräch so schnell wie möglich zu beenden, so
sprach ich gelassen:'Ja, wenn die mal kommen, dann gibt's Ärger.'
'Na sehen Sie ?'
Danach verließs sie mein Büro und ich verharrte einen langen Moment mit
glasigem Blick auf die grünen Berge gerichtet und träumte davon, ganz weit
weg zu sein.