....und zwar mit dem Streit um
den Platz für's Handgepäck. Und da der Urlauber für zwei Wochen Urlaub mehr
Gepäck benötigt als ich für dreizehn Monate, hat besonders das Handgepäck
dementsprechende Ausmaße. Ich werde wohl nie begreifen, wozu man die Tasche
mit den Schuhen mit in den Passagier-Raum nehmen sollte. In modischen
Kosmetik-Köfferchen, die aus verkaufsstrategischen Gründen den schon fast
adeligen Titel 'Board-Case' erhielten, befindet sich dann auch alles außer
Kosmetik-Artikeln. Da der Stau-Raum für das Handgepäck nun also nie
und nimmer ausreicht, wir verstehen darunter nämlich 'Cases' von inzwischen
mindestens zwölf Kilo Gewicht, landet der größte Teil also unter den
Sitzen, auf dem Schoss oder im Gang. Die Stewardessen haben es inzwischen
scheinbar aufgegeben, sich den Mund fusselig zu reden, es gibt Gerüchte,
nach denen Stewardessen schon Kinnhaken verpasst wurden, als diese
versuchten, Passagiere über die Bordregeln aufzuklären, also im Flugzeug
NICHT mobil-zu-telefonieren und Gepäck NICHT in den Gang zu stellen.Trotz
der Beladung mit zig Tonnen unnützem Gerümpel (viele urlauben nicht, sondern
scheinen für zwei Wochen ganz umzuziehen), hebt der Flieger
überraschenderweise doch noch ab und nachdem ich mich auf den Armlehnen
etwas nach oben drücke (damit wir leichter werden), beginnen wir sogar zu
fliegen. Während der Sicherheits-Anweisungen über die Bordlautsprecher
rudern die Service-Mädels begeistert mit den Armen in der Luft und
versuchen, den Gebrauch der Sauerstoffmasken zu demonstrieren. Die
Passagiere hören derweil zwar alle interessiert zu, aber die Informationen
erreichen mit Sicherheit wohl kaum das Gehirn, um dort für den Notfall
abgespeichert zu werden. Dies lässt sich von diesem glasigen Blick ablesen
mit der man in der Exotik einer Flugreise schwelgt und alle Sinne
auszuschalten scheint. Der Hinweis, dass diese Sicherheitsvorkehrungen auch
in den Sitztaschen vorhanden sind, wird am Ende völlig ignoriert. Und
diejenigen, die sich demonstrativ mit etwas anderem beschäftigen und
provokativ weghören, wollen damit nur ihre Welt Erfahrenheit zum Ausdruck
bringen ('Ach, ich fliege so oft, das kenn ich schon in- und auswendig!").
Manchmal male ich mir eine Notwasserung im Mittelmeer aus, bei der die
Hälfte der Passagiere einfach nur dasitzt und hysterisch kreischt, die
andere Hälfte im Korridor steht und mit den Schwimmwesten kämpft, weil
niemand weiß, wie er sie zu benutzen hat. Und während sich der Vogel schon
zehn Meter unter der Wasseroberfläche befindet, studieren die einen das
Faltblatt mit den Sicherheitsvorkehrungen, während sich die anderen die
Sauerstoffmasken auf die Nase drücken (wie sinnvoll) und wieder andere vor
dem Klosett warten, aber wollen wir den Teufel nicht mal gleich an die Wand
malen.
Womit wir auch schon bei meinem Flugzeug Lieblings-Thema wären: Dreizehn
Sekunden nach dem Erlöschen der Sicherheitsgurt-Lämpchen oder kurz nachdem
die Maschine aus dem Steigflug in die Horizontale geht, stehen vor jeder
Toilette mindestens drei Personen, und zwar mit solcher Verbissenheit, als
hätten sie die vergangenen acht Tage nur von diesem Moment geträumt. Damit
das nicht missverstanden wird, ich spreche von dem Flug aus Mittel-Europa in
die Türkei, der für gewöhnlich etwa dreieinhalb Stunden dauert, ohne die
Zeitverschiebungs-Stunde mitzurechnen, die die ganz hellen Köpfe als weitere
Flugstunde auffassen. Ist es denn wirklich zuviel verlangt, diese kurze Zeit
auf dem Hosenboden sitzen zu bleiben und nicht all die Sitznachbarn zum
Aufstehen zu bewegen, damit man vom Fensterplatz (auf den ja alle bestehen,
obwohl sie wissen, dass sie während des Fluges ungefähr zwanzig Mal ‘müssen’
müssen) zum Korridor gelangt, wo man die armen Stewardessen aus dem Weg
scheuchen muss, damit der Korridor zum Klo frei wird? Der Rückweg zum Platz
ist genauso kompliziert und meistens geben sich die Toiletten-Gänger mit
einer Sitzung nicht zufrieden, sondern schmeißen das Flugzeug gleich
mehrmals durcheinander.
Wenn die Kiste schließlich gelandet ist, öffnen die ersten ihre
Sicherheitsgurte (die praktisch nie richtig festgezurrt werden und deswegen
bei einem Unfall wahrscheinlich genauso nützlich sind wie Pudelmützen) schon
kurz nach dem Aufsetzen bzw. kurz vor der Bremsung. Schließlich kommt die
Maschine zum Stehen und sofort springen alle gleichzeitig auf, hetzen wie
von Sinnen in ihre Jacken, um anschließend zehn Minuten bewegungslos,
beengt und schwitzend im Korridor zu warten. Dabei gilt wieder die gleiche
Reihenfolge : Wer länger im Flugzeug sitzen bleibt, steigt als letzter in
den Terminal-Bus, der dann ohne Verzögerung losfährt. Anschließend ist man
einer der ersten, die den Bus wieder verlassen (weil man ja in der Nähe
einer Tür steht, selbst wenn diese auf der anderen Seite geöffnet wird) und
einer der ersten, die die Passkontrolle erreichen. Natürlich muss man
hinterher wie jeder andere auch sowieso auf sein Gepäck warten, was aber
immer noch besser ist als im Flugzeug-Korridor bzw. im Bus.
Ich möchte nochmals betonen, dass das Flugzeug ein äußerst interessantes
Studienobjekt für alle Arten von Psychologen und Anthropologen darstellt und
ich finde, man sollte das Verhalten des Homo Sapiens im Flugzeug mal einer
genauen Analyse unterwerfen und vielleicht kann man sogar Rückschlüsse auf
unsere ganze Spezies ziehen, nur so als Vorschlag eines nicht wissenden
Beobachters.
Die Tür des klimatisierten und luftdicht verschlossenen Busses öffnet
sich, ein wibbeliger Reise-Leiter springt raus und anschließend setzen dann
die Urlauber den ersten Schritt in IHREN Club (ein kleiner Schritt für die
Menschheit, ein großer für den Touristen) und werden nun voll erwischt von
den zwanzig Grad Temperatur-Unterschied zwischen zu Haus und hier. Sofort
beginnt die Luft-Feuchtigkeit ihre Wirkung zu zeigen, Hemden zeigen
schlagartig die ersten Nass-Flecken. Diejenigen, die zum ersten Mal da sind,
verdrehen verwundert ihre Köpfe, da von überall her der Lärm von
Industrie-Hochdruck-Reinigern zu hallen scheint, in Wirklichkeit handelt es
sich um die Zikaden, die von den Bäumen kreischen, als hätte ihnen jemand
auf den Fuß getreten.
Für mich sollte ein astreiner Tag beginnen, die Zeit sollte heute
verfliegen wie im Fluge, wie immer, wenn einem Dutzende von Menschen die Tür
einrennen. Ich schloss die Tür meines kleinen Büros auf, welches sich
wirklich über mein Kommen zu freuen schien. Und schon prasselten die ersten
Aktivitäten auf mich herunter. Eine Frau hatte gestern bei einem Pool-Spiel
einen Suppen-Löffel an den Kopf bekommen (!), worauf sofort eine Platzwunde
den sonnigen Tag begrüßte (bei dem Spiel ging es darum, mit einer
Schwimm-Weste diese Löffel vom Pool-Grund zu holen und dann an den Pool-Rand
zu BRINGEN und nicht zu WERFEN !). Die Dame weigerte sich nun, ihre
Arzt-Rechnung zu bezahlen, weil jenes Missgeschick schließlich durch
Verschulden des Clubs (ein Gast schmiss mit Löffeln) zustande gekommen war.
Doch bevor ich jetzt in ein unkontrolliertes Durcheinander von
Unglaublichkeiten ausbreche, versuche ich jedem Abschnitt doch einfach eine
Überschrift zu verpassen und die ganze Sache sieht schon viel geordneter
aus.