Sie sind tatsächlich
auch manchmal nützlich. Nämlich dann, wenn man mit einer kleinen Sauf-Liesl
wie zum Beispiel KARL-OTTO in einen Monolog verwickelt ist, der einfach
nicht zu enden scheint. Oder wenn mich ein Gast mit Anregungen und Ideen
zutextete, so dass ich mich aus Gründen der Höflichkeit einfach nicht aus
dem Staub machen konnte, weil das so ausgesehen hätte, als hätte ich meinen
Job vernachlässigen wollen. Um also pflichtbewusst das Weite zu suchen,
machte ich mit dem Bar-Personal eine geheime Handbewegung aus, die es
darüber in Kenntnis setzen sollte, dass ein unerwünschter Anruf auf der
anderen Seite der Bar (also WEIT weg) zu diesem Zeitpunkt gerade SEHR
erwünscht sei. Und so klingelte quasi virtuell das Telefon für mich. Ich
rate niemandem, das Bar-Personal danach zu fragen, sie würden sich an keine
solche Geschichte erinnern.
Ein sehr aufmerksamer
Gast sah mich so in ein unangenehmes Gespräch verwickelt, dass er etwa die
gleiche Idee hatte und mit seinem Mobil-Telefon unseren Club anrief, sich
von der Telefon-Zentrale an die Pool-Bar weiter verbinden ließ (wo er sich
gerade selbst aufhielt) und dort mich verlangte. Ich wanderte also um die
volle Bar, ging sogar noch an dem telefonierenden Helfer vorbei und musste
überrascht feststellen, dass der Anruf nur eine willkommene Alternative war,
mich von Nervern loszueisen.
Oh ja, Handys waren
eine Krankheit. Obwohl ich ja gestehen muss, dass sie mich recht kalt
lassen, da es mir eigentlich egal ist, ob sich jemand mit seinem Gegenüber,
einer Maschine oder sich selber unterhält. Im Theater störte das digitale
Klingeln natürlich, so dass wir vor jeder Aufführung eine freundliche Ansage
machten, die Dinger doch bitte auszuschalten. Das Klingeln ging natürlich
trotzdem weiter...
Es ist auf eine
gewisse Weise auch putzig, wie einfach man uns von der absoluten
Notwendigkeit der ständigen Erreichbarkeit überzeugen kann, so dass ich
schließlich mal nur so zum Spaß die erstbeste kleine Bus-Ladung von dreizehn
türkischen Gästen beobachtete, von denen neun direkt nach dem Aussteigen aus
dem Bus (also nach etwa zwei Schritten) ihr Telefon zückten und wieder
belebten. Für türkische Gäste gibt es nichts Schöneres, als von der
Rezeption eines Nobel-Hotels aus die Verwandten zu Haus anzurufen und
darüber aufzuklären, dass man gerade an der Rezeption eines Nobel-Hotels
steht. Obwohl ich gestehen muss, dass es natürlich doch schon herrlich ist,
an freien Tagen vom heißen Strand aus Freunde, die im kalten Deutschland
gerade Büro-Luft atmeten, anzurufen und ihnen ein frohes Schaffen zu
wünschen.
Andererseits finde
ich etwas übertrieben, wenn man am Kartoffel-Stand des Buffets verweilt und
per Telefon mit seinem Bekanten am Blumenkohl-Topf des gleichen Buffets
plaudert. Alles schon vorgekommen. Oder seinem Bekannten per Telefon die
Richtung mitzuteilen, in die er sich drehen muss, um den anderen zu sehen.
Ja genau: Rufen ist out, anrufen ist in.