Karl-Otto war einer
dieser Menschen, die nerven. Er war um die fünfzig und ledig, lebte noch bei
seiner Mutter, trank eindeutig zuviel und drängte sich jedem auf, der seinen
Weg kreuzte, obwohl er hochintelligent war. Er löcherte mich gerne mit
irgendwelchen Seil-Tricks oder Holz-Spielchen und erzählte mir aus einem
Abstand von etwa zehn Zentimetern zu meinem Gesicht seine Meinung über die
Welt, die mich bedauerlicherweise nicht sehr interessierte, zumal meist ein
Duft-Aroma aus den Tiefen seines Schlundes entwich, die mich doch sehr an
das damals angeblich geläufige Gas mit der Bezeichnung CB6 erinnerte,
welches man im Elefanten-Hospital von Neu-Dehli zur Betäubung der
massereichen Patienten einsetzte. Doch da solche Menschen allgemein als
‘arme S--’ bezeichnet werden, ließ ich mir nichts anmerken und hörte
aufmerksam zu (zumindest für eine kurze Weile oder solange bis ich
allmählich bewusstlos wurde).
Karl-Otto muss an diesem
Abend noch in die Disco gegangen sein, wo er unserem Vize-Direktor (nennen
wir ihn einfach mal Ahmet) begegnete, den er zwar schon kannte, in dieser
Nacht jedoch wegen der Disco-Beleuchtung (die so gut wie NICHT vorhanden
war) und diversen Stimmungs-Aufhellern (in Form von unzähligen Cocktails
oral verabreicht) nicht identifizieren konnte. Als er dann das Funkgerät in
dessen Hand erblickte, fragte er ihn nach seinem Job in dieser Anlage,
worauf er ‘Security’ zur Antwort bekam (kleiner Scherzbold).
‘Kennst Du den Herrn
Martin’, fragte K.O. weiter,
‘Ja’, kam die
Antwort.
‘Is mein Freund !’
meinte Karl-Otto stolz, ‘Kennst Du Frau Deniz ? (welche unsere
Verkaufs-Leiterin war; Name geändert)
‘Ja, kenn ich’
‘Is meine Freundin!
Kennst Du denn auch Herrn Ahmet, den Vize Direktor ?’ (Er sprach gerade mit
selbigem, hatte ihn jedoch nicht erkannt)
‘Kenn ich’ (Grins)
‘Is auch mein
Freund.’ Und nach einer kurzen Pause schleuderte er unserem zweiten
Ober-Manager noch ein gefährliches ‘Aufpassen!’ entgegen.
Man hätte denken
können, Karl-Otto sei eine bedauernswerte Kreatur gewesen, über die wir uns
lustig machten, den interessierten Leser möchte ich jedoch darauf aufmerksam
machen, dass K.O. in seinem Arbeits-Leben angeblich Steuer-Prüfer gewesen
war und des öfteren erzählte, derzeitig gnadenlos gewesen zu sein. Daher
werden sich diejenigen, die irgendwann mal Ärger mit ihm hatten, durch
geschilderte Neckereien wohl eher gerächt fühlen. Außerdem machen wir uns
nicht über ihn lustig, das taten all die anderen Gäste.