Das Strandliegen-Phänomen

Kaum aufgelegt konnte ich mich endlich meinem heutigen Tagesthema widmen, wie ich es den Menschen nämlich austreiben könnte, Pool- oder Strand-Liegen mit irgendwelchem Gerümpel zu reservieren. Zu diesem Zwecke standen einige Schlauberger schon um halb sechs in der Frühe auf, hinterließen ein Handtuch nicht nur auf ihrer Lieblings-Liege, sondern gleich an zwei bis drei verschiedenen Orten (Pool, Strand und Rasen-Anlage), um anschließend wieder schlafen zu gehen oder einen Ausflug in die nächste Stadt zu unternehmen. Am frühen Nachmittag kehrte man schließlich zum reservierten Ruhepunkt, unbenutzt wie ein Privat-Parkplatz, zurück und genoss die Früchte des frühen Aufstehens.

Jeder Appell an das gute Gewissen, dass jeder das Recht auf einen angenehmen Urlaub habe, war zwecklos, 'Sollen die anderen doch früher aufstehen als wir', hieß es dann, so dass einige ihren Kram schon am späten Abend zu deponieren versuchten. Die Hotels, die zuerst an Bitten und Höflichkeiten scheiterten, gingen nach einiger Zeit dazu über, die hinterlassenen Sachen durch das Housekeeping-Personal zusammenzuräumen und an einem zentralen Ort auf dem Pool-Gelände gut sichtbar zu einem kleinen Berg aufzuschichten. Somit waren die Liegen wieder frei, der Gast durch umständliches Suchen seiner Dinge bestraft und gleichzeitig hatte man sogar noch den erfreulichen Pranger-Effekt erzielt, durch den suchende Gäste als schuldig bloßgestellt wurden.

 

Doch wer glaubt, unverzagte Problem-Touristen so einfach irritieren zu können, hat sich mächtig getäuscht. Nachdem es am Pool beinahe zu Schlägereien zwischen deutschen Body-Buildern und nicht minder massigen türkischen Houskeeping-Damen gekommen wäre, sahen sich einige vernünftige Gäste dazu gezwungen, den kleinen Hügel aus Handtüchern, Badetaschen und Magazinen komplett in den Pool zu schieben, was nicht gerade zur Beruhigung der Lage beitrug. Dem Hotel war's natürlich nur recht, denn nun war das Personal aus dem Krieg ausgeschlossen und es hatten sich zwei hart debattierende Gäste-Fronten gebildet, die jedoch auch bald wild fuchtelnd auseinander strömten. Es folgten unzählige Regress-Forderungen, denn durch unsere Räum-Aktion waren angeblich zig Brillen, Brieftaschen und Goldklunker verloren gegangen, was hinterher natürlich nicht mehr nachvollziehbar war.

Im Gegenzug entschloss sich das Hotel dazu, nur noch Liegen zu räumen, die mit ausgeliehenen Hotel-Handtüchern reserviert waren, immerhin also über die Hälfte aller Fälle. Privatsachen durften und wollten wir nicht mehr anfassen. Durch irgendwelche verschlungenen Pfade sprach sich auch das nach einer Weile bei den Betroffenen rum, so dass schon nach kurzer Zeit die meisten Liegen mit billigsten, aber PRIVATEN Plastik-Taschen versehen waren.

Mein Glaube, dass der moderne Mensch einfach nicht dazu in der Lage ist , in einer kleinen Gemeinschaft friedlich zusammenzuleben, wurde mal wieder voll bestätigt, das Problem löste sich nämlich wie in allen Hotels bis zu Ende der Saison nicht mehr. Wir hatten unsere Finger aus der Angelegenheit herausgehalten und Beschwerden über Mitternachts-Reservierungen der Pool-Liegen mit dem Vertrauen in den Vernunftinstinkt unserer Spezies und dass die Gäste das unter sich ausmachen sollten, abgewiesen. Dass weder dieser Vernunftinstinkt noch die Fähigkeit des friedlichen Einvernehmens existierten, sagten wir nicht.

Vielleicht wäre es am einfachsten gewesen, eine Pool-Liegen-Miete, eine Auflagen-Miete und eine Handtuch-Miete zu verlangen, womit wir dann sogar noch was verdient hätten, obwohl wir dann allerdings wieder etliche Beschwerden wegen kommerziellem Ausbeutertum bekommen hätten. Wir taten dies jedoch nicht und malten uns sofort das anarchische Gezänk am Pool wieder aus, das uns die gesamte nächste Saison wieder verfolgen würde.

 

 

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