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On the Beach

Auf einem Tisch an der Bar lag eine vergessene türkische Zeitung, deren Schlagzeile mir gerade ins Gesicht lachte : 'Neuer Hitze-Rekord in Antalya ; 78 Grad Celsius in der Sonne'. Und tatsächlich, das Thermometer zeigte 48 Grad im Schatten und als ich unsere Krankenschwester fragte, ob es irgendwelche besonderen Vorkommnisse gebe, sagte sie 'Das Übliche halt, ein paar Kreislauf-Zusammenbrüche am Morgen, ein Sonnenstich und ein paar Schürfwunden vom Volleyball'. Anschließend ging ich zum Strand und bewunderte die Körper-Positionen, die der echte Süd-Urlauber einnimmt, um überall zu bräunen. Von gespreizten Fingern über der Brust (die Position der Hände muss ebenfalls ab und zu geändert werden, damit auf der Brust keine weißen Flecken in Form von zwei Händen übrig bleiben), Abstandshalter aus Schaumgummi zwischen den Zehen (damit man auch dort verbrennt), aufblasbare Reflektor-Matratzen (Oberseite durchsichtig, Unterseite silbern) bis hin zu kleinen Augenklappen, die man sich inzwischen schon im Handel kaufen kann (früher benutzte man Blätter eines nahe gelegenen Busches), damit man trotz geschlossener Lider nicht erblindet.

Interessant zu sagen, dass ich, der sich inzwischen ja eigentlich ein wenig an diese Temperaturen gewöhnt haben müsste, nach ungefähr 20 Minuten in der Sonne die ersten Branderscheinungen zeigte. Aber als Strahlungsverwöhnter Mittel-Europäer scheint man da abgehärteter zu sein als ich. Also, um diese Temperatur zu veranschaulichen, sei gesagt, dass wir (in unserem Haus OHNE Klima-Anlage, welche nach Gewöhnung ohnehin nur für einige Wochen im Jahr notwendig wäre) Wasch-Gel anstelle von Seife benutzen mussten, da zweitere einfach schmolz und so in der Hand zerbröselte. Die August-Hitze ließ uns des weiteren einen alten auffüllbaren Deo-Zerstäuber benutzen, den wir mit Wasser gefüllt im Kühlschrank deponierten, um uns nachts gelegentlich zu benässen, damit die heiße Luft des Ventilators überhaupt noch Wirkung zeigte.

 

Bei dem Versuch, meine Schweiß nassen Beine aus der Hose zu schälen, fiel ich zudem regelmäßig auf die Nase, es muss also wirklich warm gewesen sein. In Anbetracht dieser Vorzeichen entschloss ich mich also dazu, eine kleine Ansage über die Strandlautsprecher zu machen, die Temperatur in der Sonne sei inzwischen auf 78 Grad Celsius gestiegen und es bestehe eine gewisse solartechnische Gefahr, sich ganz schlimm zu verbrennen. Ich hätte mir auch vorher denken können, dass diese Ansage nicht unbedingt zu einer Änderung der Lage beitragen würde, die Zahl der Sonnengeschädigten nahm nämlich erst am Ende des Hochsommers und dann auch nur parallel zu den Temperaturen ab. Aber kaum einer gibt ja zu, dass die Sonnen-Bräune Bestandteil eines gelungenen Urlaubs sei. Nein, ganz im Gegenteil: 'Schön, wenn man braun wird. Wenn nicht, ist das jedoch auch nicht schlimm.' Von wegen: Achtzig bis neunzig Prozent der Touristen haben echte Komplexe, wenn sie im Sommer-Urlaub nicht braun werden. Aus diesem Grunde legt man sich selbst noch in die Sonne, wenn es ganz eindeutig zu heiß dafür ist. Und fast jeder dreht und wendet sich im Hinblick auf die schon gerösteten Stellen des Körpers. Und fast jeder lacht beim Anblick einer T-Shirt-Bräune oder eines neu angereisten Weißlinge. Ja, und jeder verbrennt andauernd (bis auf diejenigen, deren Haut-Typ die Mittelmeer-Sommer-Sonne ohne weiteres wegsteckt und die auch noch stolz drauf sind). Oh ja, so manche Erkenntnis ist hart. Trotzdem gewährte mit diese Strand-Studie einen Einblick in das Paradies der Abartigkeiten dieser so wunderbar anonymen Urlaubswelt. Also war meine Energie für die Ansage doch nicht ganz umsonst.

 

 

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