Ein
Säugling krabbelte am Poolrand entlang, ich merkte, dass ich nicht der
einzige war, der eine schlechte Vorahnung hatte. Ein Mann schaute
unverheißungsvoll über seine Zeitung, zwei bis drei Köpfe drehten sich
unauffällig in die angesprochene Richtung und Schwupps, da war es auch schon
passiert, der Nachwuchs hatte eine geschickte Vorwärts-Rolle ins bedrohliche
Nass vollbracht, zig Leute schmissen ihre Zeitung nach hinten, ließen
Teller mit Kuchen auf der Stelle fallen, um aus dem Sessel zu springen und
todesmutig...Doch da stand schon der Rabenvater, schüttelte sein Kind mit
einer Hand am Bein festhaltend aus und lachte über den Schabernack seines
lebensmüden Kindes, welches mit dem Kopf nach unten vor sich hin kicherte.
All diejenigen, die jetzt beinahe zur Rettung in den Pool gehüpft wären,
waren in der Luft schockgefroren und kehrten nun fast schon peinlich berührt
(man will ja nicht so wirken, als würde man bei jeder Kleinigkeit
überreagieren) zu ihren Sonnenplätzen zurück.
An der Bar überfiel mich ein dickbäuchiger Mensch und erzählte mir in
seinem anklagenden Wiener Dialekt, er hätte sich am Steg ins Meer den Fuß
aufgeschnitten und dürfe jetzt zehn Tage nicht mehr ins Wasser. Und da das
ja nicht sein Verschulden sei, solle der Club sich mal was einfallen lassen,
wie er das wieder gutmachen könne. Ich übersendete ihm einen kleinen
Obst-Korb mit Genesungs-Wünschen des Direktors, was jedoch ein Fehler war.
Er hatte dieses Präsent nämlich als Schuld-Zugeständnis aufgefasst und
meinte in recht vulgärer Ausdrucksweise, wir könnten uns unser Obst
irgendwohin schieben. Sein Urlaub sei versaut, weil das Hotel nicht
aufgepasst hätte. Ich erwiderte, dass niemand weiß, wann und wo und durch
was sich der Herr verletzt hätte (ich ihm das ohnehin nicht glauben würde)
und dass wir deswegen auch unsere Schuld an der Sache nicht einsehen würden.
Auf die Frage, was er denn nun überhaupt wolle, antwortete er, der Club
könnte sich beispielsweise dazu bereit erklären, ihm einen zehntägigen
Aufenthalt anzubieten, den er dann natürlich nicht zu bezahlen hätte.
Innerlich lachte ich mich tot, äußerlich fand ich keine Antwort auf solchen
Quatsch.
'Abgelehnt', sprach ich, worauf er indirekt drohte, uns zu ruinieren,
weil er schließlich ein bekannter Journalist in Österreich sei und ein
falscher Artikel von ihm würde reichen, dass keiner seiner Landsleute mehr
in unsere Anlage komme. Ich wollte entgegnen, dass diejenigen, die eine
Zeitung lesen, in der ER schreiben würde, uns auch besser gestohlen bleiben
könnten, ich schluckte diesen Kommentar jedoch einfach runter. Als Anmerkung
ist zu sagen, dass ich soviele Journalisten-Beschwerden hatte, dass unser
Hotel eigentlich ÜBERHAUPT KEINE Gäste mehr haben dürfte. Endlich hatte ich
auch die wirkliche Bedeutung des Wortes 'Presse' verstanden, man versucht
des öfteren nämlich, jemanden mit diesem zu erPRESSEn. Wenn ich mal so
überlege, würde ich sagen, dass etwa jede fünfte Beschwerde angeblich
veröffentlicht werden sollte. Ich habe dagegen keinen einzigen schlechten,
sondern ganz im Gegenteil nur positive Artikel über unsere Anlage gelesen,
die geschrieben wurden von Gästen, die sich gar nicht als Journalisten zu
erkennen gaben.
'Da können wir leider nichts machen', sprach ich mit ernster Miene und
entschied mich dazu, in Zukunft einen großen Bogen um den Herrn zu machen,
um seinem unkontrollierten Wort-Schwall zu entgehen, auf den ich irgendwann
wahrscheinlich mit Schimpfworten reagiert hätte. Auf höfliche Weise machte
ich ihm verständlich, dass sich mein Input bei allen, die mir mit Presse
drohen, schlagartig schließe und somit eine Kooperation ausgeschlossen
wäre. Er solle sich beim nächsten Mal verkneifen, mit diesem Presse-Mist
anzufangen, dann könne er vielleicht sogar noch auf Kooperation hoffen.
Irgendwie ist man ja auch doppelt bestraft, wenn man dort arbeitet, wo
andere Leute Urlaub machen. Jaja, es ist ganz nett, so in der Sonne sitzen
und sich mit lockeren Sprüchen die Zeit verbringen, trotzdem kann man den
Menschen nur dabei zusehen, wie sie gutgelaunt in den kühlen Pool hüpfen,
surfen, segeln und schlafen gehen, wann immer sie möchten, während man
selber ja an gewisse Örtlichkeiten gekettet ist. Na ja, ich seh schon, ich
kann niemanden davon überzeugen, dass ich einen harten Job habe, darum
versuch ich's besser auch erst gar nicht. Und während ich so die Hitze des
Tages mit einem Satz Pfirsich-Eis-Tee zu bekämpfen versuchte, schlich sich
ein blondes Mädel um die 35 an mich ran und fragte mich, ob ihr Freund wohl
merken würde, wenn sie sich mit einem unserer Animateure paare. Spontan
antwortete ich mit einem überzeugenden 'Ähm, ja, ich.. na ja, könnte sein,
dass...öhm, keine Ahnung'. (Blöde Frage aber auch) Es vergingen ungefähr 15
Minuten (sie war inzwischen weiter gezogen) und ihr Freund, ebenfalls um die
35, begrüßte mich kumpelhaft um mich zu fragen, ob seine Freundin merken
würde, wenn er mit unserer Sport-Hostess... 'Was grinst Du denn so komisch?'