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Kleinasien – Wiege der Kulturen
Kaum ein Landstrich hat so viele Kulturen beheimatet wie Kleinasien,
das Gebiet der heutigen Türkei. Viele Mysterien damaliger Zeiten sind
gelöst, manche werden wohl auf ewig rätselhaft bleiben. So auch die
vor der Jungsteinzeit um 9500 v. Chr. errichtete, riesige Anlage bei
Göbekli Tepe in Ostanatolien. Die Erbauer kannten schon den Nutzen von
T-Trägern: Die T-förmigen Bausteine, welche den Bau stabiler machen,
wurden direkt aus dem Kalk geschlagen. Mauern und Stelen zeigen
Tierdarstellungen und Zeichen. Niemand weiß, wer sie erbaute und wozu
sie diente.
Um
8000 v. Chr. existierten erste Steinzeitkulturen in der heutigen Westtürkei.
Ab 2500 v. Chr. wandern die Hethiter vom Balkan nach Anatolien ein. 1700 v.
Chr. gründeten sie ein Großkönigreich – mit fast moderner Rechtsprechung und
weitgehender Gleichberechtigung der Frau. Ab 1500 v. Chr. siedelten die
Lyker im Südwesten, deren Totenkult durch Sarkophage und Felsgräber
überliefert ist. Als das Hethiterreich um 1200 v. Chr. zerfiel, gründeten
die griechischen Dorer und Ionier an der Südküste ihre Städte. Im 7. Jh. v.
Chr. ließe sich die Lyder im Nordwesten nieder. Dort wurden die weltweit
ersten Münzen geprägt, die König Krösus gerne ausgab. Kleinasien wurde
zunächst von der Persern (546 v. Chr.), dann von Alexander dem Großen (ab
336 v. Chr.) eingenommen, bevor ab 200 v. Chr. Römer die Südküste eroberten.
330 n. Chr. wurde Byzanz als „Nova Roma“, später als „Konstantinopel“ die
Hauptstadt Ostroms. Ab 1000 drangen die Seldschuken nach Kleinasien, und
1453 eroberten die Osmanen Konstantinopel. Das osmanische Reich erlebte
seine Blütezeit im 16. Jh. Nach dem ersten Weltkrieg zerfiel es. Schließlich
gründete Atatürk 1923 die heute existente Republik Türkei.
Der
Dichter Homer, der im 8. Jh. v. Chr. lebte, schrieb u. a. die „Ilias“ und
erzählte der Nachwelt vom 10 Jahre anhaltenden Krieg zwischen Griechen und
dem trojanischen Volk, das schließlich durch die List des trojanischen
Pferdes bezwungen wurde. 1871 fand der Archäologe Schliemann in der heutigen
Westtürkei die Überreste der trojanischen Kultur. Eine Nachbildung des
Pferdes steht vor der historischen Stätte. Woher die Trojaner kamen, ist
unklar. Vielleicht waren sie Hethiter, doch neue Funde gehen davon aus, dass
sie ihren Ursprung in Anatolien hatten.
Vom Orient zum Okzident –
die Seidenstraße
Das osmanische Reich erstreckte sich von Mitteleuropa über Nordafrika bis
nach Mittelasien. Der Handelsweg, der von China durch Kleinasien nach Europa
führt, wird Seidenstraße genannt, da über ihn hauptsächlich Luxuswaren,
Gewürze und Seide ins Abendland gelangten. Für die Osmanen ein lohnendes
Geschäft: Sie strichen Wegezoll und Transitabgaben ein. Jedoch verlagerte
sich der Handel immer mehr auf die See, sodass der Landweg zu Beginn der
Neuzeit an Bedeutung verlor.
Die
Seidenstraße existierte schon 100 v. Chr., die zahlreichen Wege begannen im
heutigen Xi’an in China. Wichtige Städte auf der Strecke waren Damaskus,
Odessa, die Mittelmeerhäfen Alexandria und Antiochia und natürlich Byzanz,
das heutige İstanbul. Immer auf der gleichen Route brachten Karawanen Seide,
Wolle, Gold, Silber, Pflanzen und Gewürze von China nach Europa. Dadurch
wuchs ein reger kultureller Austausch. So genannte Karawansereien entstanden
entlang des Weges. Es waren beliebte Haltestationen - zum Ausruhen und
Erfrischen. Viele existieren noch heute – die Türkei unterstützt ein Projekt
mit dem Ziel, die Karawansereien zu renovieren und Touristen zugänglich zu
machen.
Alexanders Reise durch
Anatolien
Der makedonische König „Alexander der Große“ lebte im 4. Jh. vor Christus.
Unter seiner Führung dehnte er das makedonische Reich vom heutigen
Griechenland bis zum indischen Subkontinent aus. Von 334 bis 332 v. Chr.
befreite Alexander Anatolien von persischer Herrschaft. Noch heute können
Reisende seinem Weg durch Anatolien folgen und dabei noch Kunststätten
anderer Epochen wahrnehmen.
Bei Troja gerieten zahlreiche griechische Söldner in Gefangenschaft der
Makedonier und wurden dadurch zu Sklaven. Alexander zog weiter an der
Westküste entlang nach Behramkale, wo man heute die Stadtbefestigung des
antiken Assos besichtigen kann. Auf dem Plateau des Vulkangipfels befinden
sich u. a. noch Reste des der Athene geweihten Tempels sowie ein
Theaterhalbrund. Hier gerieten zahlreiche griechische Söldner in
Gefangenschaft der Makedonier und wurden dadurch zu Sklaven. Alexander zog
weiter an der Westküste entlang nach Behramkale, wo man heute die
Stadtbefestigung des antiken Assos besichtigen kann. Auf dem Plateau des
Vulkangipfels befinden sich u. a. noch Reste des der Athene geweihten
Tempels sowie ein Theaterhalbrund.
Alexander führte sein Heer weiter in Richtung Pergamon, wo das
Pergamentpapier erfunden wurde. Der deutsche Ingenieur Carl Hufmann
entdeckte 1864 die Reliefplatten und Skulpturen des Zeusaltars, der im
Berliner Pergamon-Museum rekonstruiert steht. Heute arbeiten im antiken
Pergamon nahe Bergama noch deutsche Archäologen. Zu sehen sind u. a. das
Altarfundament und ein Theater.
Danach zog Alexander nach Smyrna, heute die quirlige Metropole İzmir. Dort
wurde der Dichter Homer im 8. Jh. v. Chr. geboren. Vom Burgberg Kadifekale
hat man einen herrlichen Blick über die minarettenverzierte Stadt. 60 km
östlich liegt Ephesus, wo der reiche, lydische König Krösus einen Tempel
erbauen ließ – dieser war eines der sieben Weltwunder. Heute steht nur noch
eine Säule davon. In der Marmorstadt Ephesus reiht sich Tempel an Tempel,
Brunnen an Therme. Alexander ritt weiter nach Süden in Richtung Priene, hier
sind aus der Antike das Rathaus und der Athena-Tempel gut erhalten.
In
Halikarnassos, dem heutigen Bodrum, brach Alexander den Widerstand
griechischer Söldner. Dort stand einst das Grabmal des Herrschers Mausolos,
ebenfalls eines der sieben Weltwunder. Im 15. Jh. demontierten es die
Johanniter und erbauten mit den Quadern ihre imposante Festung auf der
vorgelagerten Halbinsel.
Alexander wandte sich nun der Südküste zu. In Fethiye beginnt das antike
Lykien, welches sich bis nach Antalya ausdehnte. Felsgräber und Sarkophage,
die teilweise auf hohen Pfeilern stehen, zeugen noch heute von deren Kultur.
Der heilige Nikolaus wurde im 4. Jh. in Patara, nahe Myra, geboren.
Alexander zog weiter gen Osten. Das Amphitheater von Aspendos ist sehr gut
erhalten. In Alanya bietet der Festungsberg einen großartigen Ausblick.
Weiter östlich gründete Alexander eine Stadt, die er nach sich benannte:
Alexandretta, das heutige İskenderun.
Ausstellungsstücke vom
Meeresgrund
Seit 1913 existiert in İstanbul das Museum für türkische und islamische
Werke. Das Gebäude war der Palast von İbrahim Paşa, ein Musterbeispiel
osmanischer Architektur aus dem 16. Jahrhundert. Es erhebt sich über den
historischen Stufen der Rennbahn (Hippodrom) aus der römischen Zeit. Über
40.000 Teile umfasst seine Sammlung auserlesener Werke aus nahezu jeder
Periode der islamischen Kunst. Die Ausstellungsräume sind gegliedert in die
Abteilungen Teppiche, Handschriften und Kalligraphien, Holzwerke,
Steinkunst, Keramik und Glas, Metallkunst sowie Ethnographie.
Das
berühmte Johanniterkastell von Bodrum beherbergt heute das Museum für
Unterwasser-Archäologie. In den Türmen des Kastells sind Ausstellungen zu
verschiedenen Themen eingerichtet. Alle Fundstücke wurden vom Meeresboden
geborgen, z. B. antike Amphoren, Münzen, Juwelen sowie Schiffswracks. Ein
eigener Saal wurde dem in den 80er-Jahren entdeckten Wrack von Uluburun
gewidmet. Es ist bis dato der älteste Bootsfund überhaupt – das
Handelsschiff stammt aus dem 14. Jahrhundert vor Christus. Es lieferte den
Unterwasser-Archäologen wertvolle Informationen über den Handel im östlichen
Mittelmeer während der Bronzezeit.
Auf den Spuren des
Missionars – Der Paulus-Fernwanderweg
Trekking-Tourismus steckt in der Türkei noch in den Kinderschuhen, doch
gerade das gibt Wanderungen in der Türkei das besondere Flair. 1999 wurde
der „lykische Wanderweg“ erschlossen. Seit 2004 existiert der „St Paul Trail“
(www.stpaultrail.com), welcher den Spuren des Apostel Paulus auf seiner
ersten Missionsreise durch die heutige Türkei folgt. Er startet in Perge bei
Antalya und endet nach ca. 500 km in Antiochia Pisidae. Dort predigte Paulus
das Evangelium und gründete eine Christengemeinde. Der gut gekennzeichnete
Trail führt Wanderer durch vielseitige Natur – Gebirgsketten, Hochalmen und
Bergdörfer. Ein Nebenweg beginnt in Aspendos, welcher den Hauptweg in Adada
trifft. Diese noch gänzlich unerforschte römische Siedlung ist ein Höhepunkt
des Paulus-Fernwanderweges. Unter anderem sind dort Tempelreste und ein
Theater zu bestaunen. Den Wanderer erwarten noch Urwälder mit Oleander,
Zypressen und Feigenbäumen sowie Bergdörfer aus Steinhütten. Unterkünfte und
Gaststätten sind noch eher spärlich – aber weitere sind im Entstehen. Der
Wandersport ist auf dem besten Weg, sich in der Türkei zu etablieren.
Das Erbe der Kulturen
Bei so vielen kulturhistorischen Stätten verwundert es nicht, dass die
UNESCO neun türkische Stätten in ihre Liste des Welterbes aufnahmen. Diese
sind: Die historischen Bereiche von Istanbul; der Nationalpark Göreme mit
den Felsendenkmälern von Kappadokien; die zweischiffige Große Moschee und
das Krankenhaus von Divriğ in Zentralanatolien; die Ruinen von Hattusa,
einer antiken Hethiterstadt; die Monumentalgrabstätte auf dem Nemrut Dağı im
Südosten der Türkei; die Ruinen von Xanthos mit dem Heiligtum der Latona an
der lykischen Küste; die antike Stadt Hierapolis (Pamukkale); die Altstadt
von Safranbolu, einem Museumsdorf in der Schwarzmeerregion, das sich seine
mittelalterliche Atmosphäre bewahrte; sowie die archäologische Stätte von
Troja.
Textquelle:
Ministerium für Tourismus, Ankara, überarbeitet von Peter Kaiser
Fotos: Peter Kaiser
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