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Neue Zeugnisse der Antike kommen
ans Licht
Siebzehn Zivilisationen hinterließen viele Spuren
Direkt in der Wohnung eines reichen, römischen Staatsbürgers stehen und
die Einrichtung bewundern. Die Stadtmauer einer längst untergegangenen
Kultur bestaunen. Oder in den alten Hafen Konstantinopels – des heutigen
Istanbuls – blicken. All das ist nun bei einer Türkeireise möglich. In den
vielen Kulturstätten des Landes treten immer neue Zeugen der Antike in
Erscheinung und werden den Urlaubern zugänglich gemacht.
Die Stadt Ephesos an der nördlichen Ägäisküste zählte in der Antike
250.000 Einwohner und war damit eine Weltmetropole. Vor kurzem wurde das
„Hanghaus 2“ für Besucher geöffnet. Dabei handelt es sich um eine sehr gut
erhaltene Nobelvilla aus der römischen Kaiserzeit. Das zweistöckige Gebäude
bot sieben Wohneinheiten von großzügigen 170 bis 900 Quadratmetern, die
prachtvoll mit Fresken, Mosaiken sowie Marmor- und Buntsteinvertäfelungen
ausgestattet sind. Umgestürzte Säulen wurden wieder aufgestellt,
Verzierungen restauriert. Auch das Inventar ist noch teilweise vorhanden. So
erhält man hier einen exzellenten Eindruck vom Alltagsleben reicher,
römischer Staatsbürger.
Die Hethiter waren eine Großmacht im 2. Jahrtausend vor Christus – ihr Reich
erstreckte sich über ganz Kleinasien bis ins heutige Syrien. Deren
Hauptstadt Hattusa, ca. 150 km östlich von Ankara, gehört heute zu den
bedeutendsten archäologischen Stätten der Türkei und zählt zum
UNESCO-Weltkulturerbe. Nun sind große Teile der Stadt für Touristen
zugänglich gemacht worden. Es wurden Teile der Stadtmauer Hattusas wieder
hergestellt. Auf einer Länge von 65 Metern kann man den imposanten Wall in
originalgetreuer Bauweise bewundern. Die in der Rekonstruktion der Mauer und
Türme genutzten Lehmziegel wurden auf traditionelle Weise hergestellt.
Immer neue Entdeckungen – Istanbul und Umgebung
Beim Bau eines U-Bahnhofes in Istanbul stieß man 2005 auf eine Vielzahl von
Tonkrugscherben. Wie sich herausstellte, sind sie mehr als 1.500 Jahre alt.
Nun hat sich die Baustelle zur größten Aus-grabungsstätte der Stadt
ausgeweitet. Ans Licht kam in dem heutigen Istanbul der antike Hafen
Konstantinopels, der nach dem letzten römischen Kaiser Theodosius benannt
wurde. Acht tausend-jährige Schiffe, eine Kirche, ein Stadttor und
zehntausende kleinerer Funde beschäftigen die rund 350 Arbeiter. Geplant ist
die Verlegung des U-Bahnhofes, damit hier ein Museum entstehen kann.
Zurzeit beginnen auf der Gallipolli-Halbinsel am Marmara-Meer die Ausgrabung
der antiken Königsstadt Lysimacheia. Sie wurde 309 v. Chr. gegründet und 144
v. Chr. durch die Thraker zerstört. Die Bedeutung der Stadt ist aus antiken
Schriften bekannt, doch fanden bisher hier noch nie Ausgrabungen statt. Ein
internationales Forscherteam, unter anderem von der Universität Münster,
widmet sich nun aktiv dieser Königsmetropole.
Funde aus der Urzeit
Einen sensationellen Fossilienfund vermeldet der Ort Elmacik bei Kemer:
Kürzlich wurde das Skelett eines 11 Millionen Jahre alten Mastadons
gefunden. Das Tier gilt als Vorfahre des Elefanten. Seine Freilegung wird
noch bis Dezember 2006 andauern. Wissenschaftler der Universität Burdur
haben in dem Gebiet bereits eine Vielzahl von Tierskeletten ausgegraben.
Angestrebt ist die Eröffnung eines natur-historischen Museums in Burdur,
vielleicht sogar in einer Höhle.
Troja/Cannakkale erhält eine weltweit einmalige wissenschaftliche
Fachbibliothek Der verstorbene Tübinger Archäologe Manfred O. Korfmann
leitete jahrelang die Ausgrabungen des antiken Troja. Die Stätte in der
Nord-Ägäis wurde durch seine Verdienste zum Weltkulturerbe der UNESCO
ernannt. Urlauber werden hier von einer Nachbildung des Trojanischen Pferdes
empfangen. Ende August wird nun Korfmanns Privatbibliothek mit 5.000
wissenschaftlichen Werken der Universität Çanakkale (bei Troja) übergeben
und steht zur Ausbildung junger Archäologen und wissenschaftlichen Besuchern
zur Verfügung. Die Ausgrabungen gehen weiter: Korfmanns Team sucht vor allem
nach bronzezeitlichen Gräbern.
Das Orakel von DidymaIn Didyma an der südlichen Ägäis befindet sich
die größte Tempelanlage der Türkei, das Didymaion, welches die bedeutendste
Orakelstätte Kleinasiens beherbergte. Vom 8. Jh. v. Chr. an leiteten
Priester die Orakelsprüche des Apollon weiter und nahmen so Einfluss auf die
Politik. Das Tempelgebäude ist für Urlauber bereits zugänglich. Nun soll die
Anlage unter Leitung des Stuttgarter Architekturprofessors Peter Schneider
und einem interdisziplinären Team für Touristen erschlossen werden. Ziel ist
auch, sich als Weltkulturerbe der UNESCO zu bewerben.
Es werden nicht die letzten Funde sein, denn das Gebiet der heutigen Türkei
beherbergte siebzehn Zivilisationen und ist damit ein Land voller
archäologischer Schätze: frühe Höhlenmalereien, griechische sowie römische
Bauten, osmanische Kunstwerke und neun Weltkulturerbe….
Textquelle:
Ministerium für Tourismus, Ankara, überarbeitet von Peter Kaiser
Fotos: Peter Kaiser
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