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Der
anatolische Teppich
Das älteste
bekannte Beispiel der Teppichknüpfkunst, ist das im Heremitage Museum in
St.Petersburg ausgestellte Stück, bekannt als "Pazirik Teppich". Er wurde
im Jahr 1949 von dem russischen Archäologen Rudenko entdeckt.
Zahlreiche Wissenschaftler sehen einen unmittelbaren Zusammenhang,
zwischen dem aus dem Kurgan von Pazirik (Fürstengrab) ausgegrabenen
Teppich mit den übrigen Funden und den frühen Turk-Kulturen.
In Kleinasien beginnt die Herstellung von Teppichen erstmalig mit der
Einwanderung der aus Zentral-Asien stammenden Turkstämme. Dadurch entstand
mit der Produktion von Teppichen aus anatolischer Produktion ein
wichtiger Zweig der "Ethnisch türkischen Teppiche".
Die
ältesten bekannten Beispiele hierfür sind 18 verschiedene
Teppichfragmente, die im 13.Jh. von den seldschukischen Türken geknüpft
worden sind.
alter Dösemealti-Teppich |
feiner Hereke
Seidenteppich |
Die in den Zentren Konya, Kayseri und Sivas hergestellten Teppiche haben
auf unterschiedlicher Grundfarbe verschiedene Muster und Symbole. Die mit
den Seldschuken beginnende Knüpftradition, wurde im Anschluss mit den
osmanischen Türken fortgesetzt.
In der Zeit nach den Seldschuken Teppichen, treten in der Zwischenperiode
des 14.Jh. die ersten Tierfigur Darstellungen auf Teppichen auf. Trotz
weniger erhaltener Beispiele, sind auf Gemälden zahlreicher europäischer
Maler (Italiener, Flamen, Niederländer und Deutsche) diese Teppiche in die
Darstellungen aufgenommen worden. Aufgrund der Symbole sind diese als
Tiermotiv-Teppiche benannt worden, die sich im 15. Jh. noch
intensivierten.
Neben den Tierfigur Darstellungen, erscheint eine neue Gruppe mit
geometrischen Motiven. Diese werden als Holbein Teppiche bezeichnet, da diese
Gruppe erstmalig auf den Gemälden des Malers Hans Holbein d.J. zu sehen
war.
Aufgrund der nur wenigen erhaltenen Exemplare mit den o.g. Motiven ist man
während der Teppichforschungen auf diese Gemälde gestossen, und hat diese
Teppiche nach Künstlernamen kategorisiert.
Neben Holbein, sind das Werke der Maler, wie Lorenzo Lotto, Hans Memling,
Carlo Crivelli, Raffaelino de Garbo, und Jaume Huguet, die für die
Forschung als wichtige Quellen gedient haben.
In diesem Jahrhundert entwickelten sich Bergama, Usak und Westanatolien
allmählich zu wichtigen Teppich-Produktionsstätten.
Mit dem 16.Jh. begann mit der seldschukischen Teppichkunst die zweite
glänzende Periode der anatolischen Teppichgeschichte. Die Stücke dieser
Zeit werden als klassisch osmanische Teppiche oder als osmanische Palast
Teppiche bezeichnet.
Die Bezeichnung “Palast Teppiche” entstand, weil die Produktion dieser
Teppiche in den Knüpfzentren, nach Mustervorlagen von Musterzeichnern des
Palastes, wie auch bei den Produktionen von Fayencen, gefertigt wurde.
Darstellungen von Blüten wie Tulpen, Nelken, Rosen und Hyazinthen,
Blättern, gewundenen Ranken usw. zierten die kostbaren Stücke. Diese Gattung
wurde später auch in anderen Regionen fortgeführt und hat sich bis in
unsere heutige Zeit erhalten.
Neben den Provenienzen Usak und Bergama, erlangten die Produktionsstätten
Gördes, Kula, Milas, Ladik, Mucur, Kirsehir, Bandirma und Canakkale eine
wichtige Bedeutung.
Teppiche die aus einigen dieser Produktionstätten stammen, wurden aufgrund
ihres Fundortes in den Kirchen Transsylvaniens als
“Transsylvanien-Teppiche” benannt.
Im 19.Jh. und Anfang des 20.Jh. wurden die Palastmanufakturen in Istanbul
und Hereke aufgebaut und betrieben. Die in Hereke und Kumkapi
hergestellten Teppiche errangen weltweit Ruhm und Ansehen. Besonders der
Hereke Seidenteppich ist weltweit ein Qualitätsbegriff. Diese Stücke sind
aber immer weniger anzutreffen, weil nach dem großen Erdbeben im Jahr
1999 viele der Knüpfstätten im Gebiet um Hereke zerstört wurden.
Die in verschiedenen Regionen geknüpften Teppiche kann man grob als Stadt-
bzw. Dorfteppiche in zwei Kategorien unterteilen. Die in den ländlichen
Regionen hergestellten Teppiche entstammen vorwiegend der Nomadenkultur
bzw. der mittlerweile sesshaft gewordenen anatolischen Bevölkerung.
Allgemein bezeichnet man in Europa diese Teppiche als "Anatolier"
(Anatolischer Teppich). Die Vielzahl dieser Teppiche sind in Wolle auf
Wolle geknüpft.
Die Knüpfarbeiten der Stadtkultur sind dagegen in Wolle auf Baumwolle. Die
bekanntesten Knüpfzentren in der Türkei sind z. B.: Konya, Kayseri, Sivas,
Hereke, Dösemealti, Taspinar, Isparta, Milas, Bergama, Canakkale, Ezine,
Kars, Usak, Gördes, Fethiye, wo heute noch produziert und die Tradition
weiterhin gepflegt wird.
Wer sich
ein schönes Souvenir aus Antalya mitnehmen möchte, der kauft sich am
besten einen original Dösemealti Wollteppich, der in der Provinz Antalya
geknüpft wird. Für ca. 300 bis 400 Euro kann man schon so einen schönen
Teppich bekommen.
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