Liebe Mitmenschen, diese kleinen Geschichten sind
niedergeschrieben, um Sie zu erheitern, zum Schmunzeln zu bringen, aber auch
etwas aufklärend zu wirken.
Dies ganz besonders für Neulinge in bezug auf
Türkeiurlaub und die dortigen Möglichkeiten, sich im Verkehr fortzubewegen.
An dieser Stelle sei den lieben und einfallsreichen türkischen
Verkehrsteilnehmern gedankt, die mir überhaupt diese Beobachtungen
ermöglichten.
Transport auf
türkisch
Zur Sache: Vergessen Sie
alles, was Sie bisher über deutsche Verkehrsregeln wussten, oder auch nur
ahnten. Was ist schon deutsche Gründlichkeit und ausführlichste Gesetzgebung
gegen den türkischen Individualismus? Geradezu lächerlich wirkt das deutsche
Transportwesen mit seinen unzähligen Variationen und Vorschriften gegen die
Lässigkeit türkischer Lebenskünstler, ein Problem zu lösen. Beispiel
gefällig?
Herr Schulte aus Kassel
bestellt bei einem Baustoffhändler zwei Wasserrohre 1½ Zoll mit jeweils
7,80 Meter Länge für seinen Neubau im bergischen Hinterland. Drei Tage
später erscheint ein Spezialfahrzeug für den Transport langer Gegenstände,
lädt ab und kassiert 186,80 Euro plus Mehrwertsteuer und Dieselzuschlag.
Herr Ügtübyl aus Beldibi
fährt mit seinem uralten Renault-PKW zum Lager des Baustoffhändlers, dabei
sind sein Sohn und ein Nachbar.
Auf der Beifahrerseite
werden vorne und hinten die Scheiben heruntergedreht, Sohn und Nachbar
nehmen Platz. Herr Ügtübyl hebt die beiden Rohre vorne an, sein Sohn langt
durchs Fenster und hält sie fest. Mit dem anderen Ende der Rohre geschieht
das selbe, Herr Ügtübyl steigt ein und fährt davon.
Vorne schauen rund zwei
Meter der Rohre über den Kühler hinaus, auch am hinteren Ende des Fahrzeugs
haben wir gut zwei Meter Überhang. Stolz fahren sie an einem Polizisten
vorbei, der gelangweilt rüberschaut, um sich anschließend wieder der Pflege
seiner Fingernägel zu widmen.
Vergleichen Sie einmal die
Transportkosten!
Motorrad
Sie stehen am Straßenrand
bei Kemer und warten darauf, über die Straße sprinten zu können. Mit
keuchhustenähnlichem Geräusch und in einer Qualmwolke nähert sich ein
Motorrad aus der Pionierzeit dieser Maschinen.
Darauf sitzen: Vater, Großmutter,
Mutter und Tochter. Nein, nein, nicht im Beiwagen, alle schön
hintereinander! Beweisfoto kann vorgelegt werden. Probieren Sie dies in der
BRD, Flensburg lässt grüßen!
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Der Fotoapparat
In Antalya gibt es einen
großen, breiten Boulevard, schön mit Palmen besäumt, und in der Mitte fährt
eine Straßenbahn. Diese Prachtstrasse führt auf den großen Park zu, der
oberhalb des Hafens in herrlicher Aussichtslage viele Besucher anzieht.
Gepflegte Spazierwege laden zum Bummeln ein, kleine und größere Restaurants
sowie Imbissbuden sorgen mit einer fast unglaublichen Vielfalt an Speisen
und Getränken für das leibliche wohl derer, die hier lustwandeln.
Es wird viel fotografiert
und gefilmt, es wuselt geradezu von Touristen, die Landschaft, Hafen und
natürlich sich selbst auf Film oder Foto verewigen wollen. Landschaft und
Hafen etc. gehen da in Ordnung, aber sich selbst auf die Platte zu bannen,
ist etwas schwierig.
So stellte sich also Herr
Schulte aus Berlin in Positur, im Hintergrund den alten Festungsturm, und
bat einen jungen Burschen, ihn doch bitte zu fotografieren. Entfernung,
Blende, Motivklingel und was sonst noch so dazu gehört, alles war schon
eingestellt, es würde ein schönes Bild geben.
Nun gibt es rund um die
Welt Spitzbuben, warum auch nicht in Antalya? Kaum hatte sich Herr Schulte
ins beste Licht gerückt, so etwa 12 Schritte entfernt von dem jungen
Burschen, ergriff dieser Kamera und das Hasenpanier, um das Weite zu suchen.
Da Herr Schulte etwas
beleibt war, der Spitzbube aber rank und schlank, halfen nur Hilferufe und
aufgeregtes deuten auf den Dieb. Im Park war nun gleichzeitig ein
Säuberungskommando am arbeiten, die mit langen Stöcken Papier,
Zigarettenschachteln und alte Plastiktüten aufspießten.
Und eben einer dieser
Stöcke wurde dem Gauner zum Verhängnis, denn er wurde ihm beim vorbeilaufen
zwischen die Beine gesteckt. Mitsamt Kamera flog er auf den Rasen, um dann
anschließend liebevoll einige dicke Watschen von den Herren des
Aufräumungskommandos einzufangen.
Inzwischen nahte keuchend
der Bestohlene, um seine, bestimmt nicht billige, Kamera in Empfang zu
nehmen. Diese schien noch zu funktionieren, der Bursche allerdings auch, der
diesen Augenblick der Unaufmerksamkeit dazu benutzte, um sich aus dem Staube
zu machen.
Verehrter Leser, liebe
Leserin, ich bin davon überzeugt, dass Sie wissen, Leute wie Müllmänner oder
wie diese drei vom Reinigungstrupp schwimmen bestimmt nicht in Moneten, aber
sie weigerten sich standhaft, das ihnen angebotene Geld anzunehmen, das sie
als kleines Dankeschön für ihre Hilfe vom Herrn Schulte angeboten bekamen.
Wieder einmal bekam ich vorgeführt, dass es reiche und arme Gauner gibt,
aber bestimmt viele Arme, die keine Gauner sind.
Nachsatz: Etwa zwei Stunden
nach diesem Vorfall sah ich die drei Helfer, die an einem ganz kleinen Kiosk
am Ende des Parks etwas aßen und tranken. Und Herr Schulte aus Berlin
knallte 20 Euro auf die Theke und machte sich von dannen.
Zum Abschluss möchte ich
aber betonen, dass mir nichts ferner liegt, als mich über türkische Leute
oder Verhältnisse lustig zu machen.
In den drei Wochen, die ich
in diesem schönen Lande verbringen durfte, ist mir, und ganz bestimmt auch
anderen Neulingen, so manches Vorurteil abhanden gekommen. Viel gelernt,
viel erfahren, dazu kam auch ein gewisses umdenken, was Zeit und
Pünktlichkeit betrifft.
Wer sagt denn, dass ein
Geschäft Punkt 9 Uhr geöffnet sein muss, und ebenso pünktlich gegen 18,30
Uhr zu schließen hat? Wo steht denn geschrieben, dass eine schöne Hose, die
mit 30,- Euro ausgezeichnet ist, nicht für 15 Euro über die Theke gehen
darf? Und in welchem Geschäft bekommt man, obwohl man nichts gekauft hat,
trotzdem einen guten Tee oder einen Raki angeboten, in Hamburg oder München
bestimmt nicht. Es ist auch hier die alte Geschichte:
Wie man in den Wald
hinein ruft, so kommt es auch heraus.
Und Ihr Lächeln wird
erwidert, Überheblichkeit ist hier fehl am Platze.
Vergessen sollte man auch
nicht, dass in diesem Lande schon eine große und alte Kultur herrschte, als
die alten Germanen noch auf dem Bärenfell lagen und Met tranken.......