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Die Sonne liefert heißes Wasser


In unserem Badezimmer steht ein röhrenartiger etwa zwei Meter hoher mit Holz oder Tannenzapfen zu heizender Ofen, der etwa 20 Minuten braucht, um kochend heißes Wasser zu liefern und als Nebeneffekt das Zimmer auch noch so  schön erwärmt, dass es sich zu einem kleinen Saunaraum verändert. Das ist im Winter sehr angenehm, aber  in den Übergangszeiten  wird es dann einfach in diesem Raum so unerträglich heiß, dass das Duschen sich zu einem Härtetraining entwickelt.

Nach dem morgendlichen Schwimmen im Meer würden wir uns gerne duschen, um das Salzwasser abzuspülen. Gut, das geht auch im Bach mit seinem schönen klaren Wasser. Das ist sicherlich gesund und auch irgendwie exquisit.  Wer kann sich schon in einem klaren Bach waschen und außerdem erzählen wir das gerne, um unsere paradiesische Situation zu illustrieren. Aber irgendwie ist es auch unbequem und lästig und so ist es nicht allzu verwunderlich, dass wir anfingen darüber nachzudenken, ob es nicht mit der fast immer scheinenden Sonne möglich sein könnte, Wasser zu erwärmen.  Ich hatte schon bemerkt, dass Wasser in einem Schlauch, der in der Sonne liegt, warm und auch heiß wird. Das könnte doch eine Möglichkeit sein. Ich kaufte also ca. 200 Meter Schlauch, legte es spiralenförmig im Garten aus, ließ so lange Wasser laufen bis die 200 Meter Schlauch voll waren und wir hatten dann nach einiger Zeit warmes Wasser. Aber das Ergebnis war schließlich ernüchternd. Warmes Wasser kam, hörte aber auf zu laufen, wenn man beim Duschen mitten in der Seife stand und dann gab es nur eine Möglichkeit, wieder voll eingeseift mit dem Fahrrad zum Bach fahren, in den Bach zu springen, um dann wieder schwitzend zu Hause anzukommen. So ging es also nicht.

 

Eines Tages erfuhren wir nun, dass es in einem etwas entfernt liegenden Dorf jemanden geben solle, der mit einer einfachen Anlage  durch Nutzung der Sonnenenergie warmes Wasser herstellen könne. Wir fuhren also zu diesem Dorf und fragten in unserem kümmerlichen Türkisch nach diesem Mann. „Maschine, auf Dach,  heißes Wasser mit Sonne.“ Verständnisloses Kopfschütteln. „Maalesef“. Das immerhin verstanden wir. „Leider, tut uns leid“. Wir hatten zunächst nichts erreicht aber immerhin für viel Gesprächsstoff und Gelächter in den Teestuben gesorgt. Aber nach dem zehnten oder fünfzehnten Versuch trafen wir auf den Türken, den es nahezu in jedem Dorf gibt, nämlich jemanden, der einen kennt, der in Deutschland irgendwann gearbeitet und deutsch gelernt hatte und der ging dann mit uns zu jenem Mann, den wir so lange gesucht hatten und so lernten wir einen der typischen türkischen Handwerker kennen, die in einer Halbdraußen-Halbdrinnenwerkstatt mit alten Werkzeugen Erstaunliches zustandebringen. Sie schnappen eine Geschäftsidee auf, versuchen dann, sie für sich zu realisieren, basteln so lange, bis es  irgendwie klappt und bauen damit ein Geschäft auf, dass entweder ganz gut läuft oder auch nach einiger Zeit aufgegeben wird. Und dann fängt man halt was anderes an.

Und dieser Mann versuchte sich daran,  so eine Art Sonnenkollektor zu bauen, der aber keinen Strom,  sondern lediglich heißes Wasser liefern sollte.

Wir machten uns miteinander bekannt, tranken den unvermeidlichen Begrüßungstee, plauderten miteinander so gut es eben ging, erkundigten uns gegenseitig, ob Kinder da wären, wie alt sie seien und was sie machen würden und kamen dann so langsam auf unser Anliegen, nämlich einen Sonnenkollektor zu kaufen,  zu sprechen.

„Hast Du  einmal eine Anlage gebaut?“, fragten wir ihn mit Hilfe unseres etwas Deutsch sprechenden Dolmetschers.

„Tabii, tabii. Natürlich, selbstverständlich.“
 „Und funktionieren sie auch?“
„Aber selbstverständlich!“

Er schaute uns mit fröhlichem Grinsen an, zog an seiner wohl nie ausgehenden Zigarette, trank seinen Tee und fragte uns, ob wir denn auch eine Anlage haben wollten.

Ein Blick in seine Werkstatt stimmte uns skeptisch. Alles lag ein wenig durcheinander herum. Er schien auch hin und wieder Autos, Motorräder, Trecker und Radios zu reparieren. Herumliegende Holzspäne und Bretter deuteten auch auf schreinerische Tätigkeiten hin. Aber Bleche, Rohre oder Schläuche konnten wir nicht entdecken. Und solche Dinge braucht man doch, um Anlagen zu bauen, die warmes Wasser herstellen sollten. Von entsprechenden Werkzeugen gar nicht zu reden. Vielleicht können die das mit einer alten Rohrzange. Das restliche Werkzeug muss halt geliehen oder vom  Auftraggeber zur Verfügung gestellt werden.

Wo er denn seine Anlagen bauen würde, fragten wir ihn.

Und nun fingen seine Augen an zu glänzen. Wir schienen angebissen zu haben. Voller Stolz führte er uns in einen kleinen Nebenraum.

 „Laboratuvarim, mein Labor“, erläuterte er, als er wohl unsere Verwunderung bemerkte.

Und nun fielen wir aus allen Wolken, das also sollte sein Labor sein. Ein uraltes Schweißgerät, Lötkolben, die im Feuer erhitzt werden mussten,  unsortierte Schrauben, ausgelutschte Schraubenzieher. Aha, sein Labor. Aber es gab auch ein sehr exakt und sauber gearbeitetes halbfertiges Etwas, das man mit sehr viel Phantasie als eine werdende Warmwasseranlage hätte interpretieren können. Immerhin: die beiden Behälter und die dazu gehörenden Rohrverbindungen sahen danach aus und waren, soweit wir das beurteilen konnten,  wirklich prima gearbeitet. Wie kann der das nur? Und mit diesem alten verbrauchten Werkzeug.  Fragen, die sich nicht beantworten lassen und ließen. Irgendwie geht das und funktioniert auch. Das war zumindest unsere bisherige Erfahrung. Und der Mann strahlte ungeheures Selbstvertrauen aus. Selbstverständlich hatte er sich als –Usta-, als Meister bezeichnet.  

 

Für ihn war es dann auch ganz klar, dass wir handelseinig wurden. Der Preis für die gesamte Anlage, einschließlich Montage, war ungefähr 150 Euro. Was sollte also schief gehen.

Drei Tage später, am vereinbarten Tag, fuhr ein mit Blechtonnen, Glasplatten, Schläuchen, Rohren, Rohrverbindungen, zwei Arbeitern und unserem Usta beladenes Motorrad mit Beiwagen vor. Baujahr: unbestimmbar,  ziemlich alt. Aber es fuhr.

Dann erfolgte die große Besprechung mit vielem Tee und anschließender Werkzeugkontrolle. Natürlich fehlten eine Rohrzange, sowie zwei Schraubenschlüssel. Aber das sei ja kein Problem. Ich hätte ja vielleicht im Haus entsprechendes Werkzeug. Ob ich auch noch einen Hammer hätte. Mir war mittlerweile alles egal. Was sie sonst denn noch benötigen würden. Die Frage stieß auf völliges Unverständnis. Es sei doch alles „tamam“. Also doch völlig in Ordnung. Er schien ein klein wenig beleidigt zu sein. Stand auf jeden Fall auf, gab irgendwelche Anordnungen. Kurzes Stocken. Ob ich denn noch eine Leiter hätte. Man müsse ja auf die Garage, denn da sollte ja die Anlage hinkommen.  Er war zwar schon bei uns gewesen, um alles auszumessen, hatte auch den zukünftigen Standort betrachtet, wusste also, dass die Garage ca. drei Meter hoch war. Hätte sich also denken müssen, dass man eine Leiter braucht. Falsch. Völlig falsch gedacht. Warum soll denn auch ein Usta, also ein Meister, eine Leiter mitbringen. Das regelt sich doch alles irgendwie.

„Hauptsache, ich, der Usta, bin hier.“ Und dann läuft schon alles klar. Insallah. Hoffentlich. So Allah will.

 
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