|
Die Sache
mit dem Knoblauch
Udo
hatte glänzende, leicht verschwiemelte Augen, als er langsam und
offensichtlich genüsslich, den Spieß drehte, den unwiderstehlichen
Duft geradezu schmeckte und uns immer wieder im Laufe der vielen
Stunden zurief: „Ihr werdet es schon noch erleben!“
Das alles aber hatte eine lange Vorgeschichte.
Es sollten nur 20 bis 25 kg sein. Das dann aber daraus eine schier
unglaubliche Zoll- und Schmuggelgeschichte wurde, lag nicht mehr in
unseren Ermessens- und Entscheidungsmöglichkeiten.
Dabei
fing mit der Gründung eines Vereins eigentlich aber alles ganz normal
und harmlos an. Mit einigen Freunden und Arbeitskollegen, die alle
gerne kochten, feierten und den leiblichen Genüssen durchaus zugetan
waren, hatten wir in Bonn einen Verein gegründet, der ausschließlich
den Zweck haben sollte, das deutsche Vereinsleben mit seinen
ritualisierten Vorstandssitzungen und Vereinsveranstaltungen zu
karikieren. Unserem Verein gaben wir den Namen: Deutsch - Türkische
Gesellschaft der Knoblauchfreunde e.V. und in unseren Vereinssatzungen
hieß es denn auch in Paragraphen 2
§ 2: Zweck des Vereins ist die Festigung der deutsch-türkischen
Freundschaft, der Förderung der Esskultur mittels der Verbreitung des
Gewürzes Knoblauch und die Pflege internationaler Geselligkeit.
Natürlich hatten wir, unserer Vereinsideologie folgend, keinen Ersten
Vorsitzenden, sondern einen Generalsekretär und gaben den
Vorstandsmitgliedern prachtvolle Bezeichnungen, die dem damals noch
real existierenden Sozialismus entlehnt waren.
Aber damit hatte es sich auch schon mit der Absicht, das deutsche
Vereinsleben zu karikieren. Denn nach zwei oder drei Jahren bei einer
dramatisch verlaufenden Vorstandssitzung mussten wir selbstkritisch
feststellen, das Vereinsziel aber auch völlig verfehlt zu haben. Wir
wurden ein typisch deutscher Verein mit all seinen Erscheinungsformen
und lösten dann den Verein auf. Immerhin führten wir jedes Jahr ein
Deutsches Knoblauchfestival durch und fanden in Presse, Rundfunk und
Fernsehen ein erstaunliches Echo. Vielleicht lag darin schon der Keim
unseres Untergangs. (mehr zum Verein: s. Ludwig Pott in: Deutsches
Vereinsleben, Ausgabe 1989, Seiten 244-289)
Bei
einer unserer wie immer chaotisch verlaufenden sogenannten
Vorstandssitzungen hatte Udo, dieses alte Lästermaul, die Idee, zum
anstehenden dritten Knoblauchfestival sein von ihm kreiertes und
angeblich schon des öfteren mit größtem Erfolg zubereitetes Gericht,
Lamm in der Feuergrube, der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er hatte
wohl nicht damit gerechnet, dass wir ihm begeistert zustimmen würden,
denn plötzlich stellte er Bedingungen. Ja, das ginge aber nur, wenn
wir ihm 25 bis 30 kg Knoblauch zur Verfügung stellen würden. „Kein
Problem, machen wir.“
„Ja, aber es müsse frischer Knoblauch sein.“
„Kein Problem, besorgen wir.“
„Noch eine Runde Bier!“
Ja, aber das ginge nur mit original frischem türkischen Knoblauch!
„Kein Problem, Önder Bey, unser Sekretär für besondere Angelegenheiten
und ich, der Generalsekretär, wir besorgen das bei unserer demnächst
anstehenden Türkeireise.“
„Noch eine Runde Bier. Aber die Großen. Ja, und ein Schnäpschen
dazu.!“
Die Dinge liefen so langsam aus dem Ruder.
Ja, aber der Knoblauch müsse ge-ge-geschmuggelt sein. Udos leichter
Sprachfehler machte sich wieder bemerkbar.
„Kein Problem. Machen wir!“
Und dann wetteten wir zu späterer Stunde, dass der Knoblauch bei
unserer anstehenden Türkeireise nach Deutschland geschmuggelt werden
solle. 25 kg Knoblauch durch den Zoll zu bringen, sei ja wohl kein
Problem.
„Ich gucke auf das Mond und mache die Schmuggel“, meinte Önder Bey,
der zu späterer Stunde und nach Genuss des für ihn als gläubigen
Moslem verbotenen Alkohol in ein manchmal nur noch unter größten
Anstrengungen zu verstehendes deutsch-türkisches Kauderwelsch verfiel.
Önder Bey machte übrigens in unserem Verein eine steile Karriere. Weil
er sich mehrfach unseren Bundespräsidenten mit seinem Fotoapparat
genähert hatte, ernannten wir ihn zum Ehrenkonsul und verliehen ihm
die entsprechenden Urkunden.
Nun nahmen die Dinge ihren Lauf.
Önder Bey fuhr damals, im Jahre 1986, einen Ford-Kombi, mit dem er,
wie auch in den vorausgegangenen Jahren, zum Urlaub in seine Heimat
fuhr. Ein Ford-Kombi war das Auto schlechthin für Türken, die in
Deutschland arbeiteten und im Sommer in ihre Heimat fahren wollten.
Mit diesen Ford-Kombis sind die unwahrscheinlichsten Dinge von
Alemanya in die Türkei transportiert worden. Man spricht von der
berühmten Oma, die in einen Teppich eingerollt, in die Türkei gebracht
werden sollte. Aber diese Geschichten sind sicherlich gelogen und zu
einer Zeit erfunden worden, als es noch kräftige Vorurteile gegenüber
unseren türkischen Landsleuten gab. Diese Zeiten sind ja nun wirklich
vorbei.
Auf jeden Fall aber spielte Önders Ford-Kombi in unserer Geschichte
eine entscheidende Rolle. Es war geplant, dass Önder und ich auf dem
damaligen Gemüsemarkt in Antalya 25 kg Knoblauch kaufen sollten und
ich sollte dann diesen Knoblauch durch den Zoll schmuggeln und auf dem
ganz normalen Wege mit dem Flugzeug nach Deutschland transportieren.
Der ganz normale Weg war im Jahre 1986 der, dass man mit einem
Inlandflug von Antalya nach Istanbul flog und von dort nach Frankfurt
weiter.
Fortsetzung der Geschichte hier
zum
Inhaltsverzeichnis aller Geschichten
<<< back
| home >>>
|